The Main Event

Live From Las Vegas

1. Intro & Announcement/A Lovely Way To Spend An Evening (instrumental)
2. I've Got The World On A String (12-31-86)
3. What Now My Love (12-27-86) (1)
4. I Get A Kick Out Of You (12-29-86) (1)
5. My Heart Stood Still (12-27-86) (1)
6. Luck Be A Lady (12-27-86) (1)
7. I've Got A Crush On You (???)
8. Mack The Knife (12-29-86) (1)
10. The Girls I Never Kissed (12-27-86) (1)
11.For Once In My Life (12-29-86) (1)
12. Someone To Watch Over Me (12-28-86) (2)
13. Maybe This Time (12-27-86) (2)
14. I've Got You Under My Skin (12-27-86) (1)
15. Only One To A Customer (12-27-86) (1)
16. I Have Dreamed (12-27-86) (1)
17. My Way (12-27-86) (2)
18. New York, New York (12-27-86) (2)
19. Bows/You Are There (instrumental)

Erscheinungsdatum: 2. Mai 2005
Label: Capitol (EMI)

Review by Marc Rothballer:

Es ist ja mittlerweile schon fast ein Ereignis von historischer Bedeutung und mit Seltenheitswert, wenn endlich mal wieder Live-Aufnahmen von Sinatra veröffentlicht werden. Natürlich stellt sich die Frage, ob wir dieses Konzert auch zu hören bekommen hätten, wenn Las Vegas nicht gerade 100 Jahre alt geworden wäre und ob wir auf die nächsten Jubiläen warten müssen, bis wir wieder Live-Material kaufen können. Aber befürchten wir das Beste…

Die Idee
An und für sich eine großartige Idee, einen Querschnitt aus der musikalischen Vergangenheit Las Vegas’ zu präsentieren. Dennoch bin ich der Meinung, dass man besser beraten gewesen wäre, ein Konzert von Sinatra aus den 60ern zu nehmen, da er zu diesem Zeitpunkt wesentlich besser bei Stimme war und er, wie ich denke, auch in den 60ern mehr den Mythos Las Vegas verkörperte als in späteren Jahren. In wieweit diese Aufnahme des älteren Sinatras mit doch gelegentlich hörbaren stimmlichen Problemen beim breiten Publikum ankommt, lässt sich nur schwer sagen. Aber seien wir froh, dass wir überhaupt etwas von Nancy bekommen haben…

Das Cover
Die Covervorderseite sieht sehr gut und ansprechend aus, bunt und peppig, aber dennoch auch elegant und nicht zu aufdringlich. Dazu im Hintergrund Frank Sinatra in typischer Interpretationspose.
Die Rückseite des Covers hingegen wirkt unübersichtlich und zu vollgestopft. Die Trackliste hätte man leichter lesbar gestalten können.
Schwach – wie ja fast immer – ist die Dokumentation. Ein Aufnahmedatum sucht man fast vergeblich, versteckt im Nachtrag wird kurz darauf hingewiesen, dass die Aufnahme von „Sinatra’s December 1986 engagement“ stammt. Schön und gut, aber ein genaues Datum wäre doch das mindeste. Und ein Hinweis darauf, dass das ganze Konzert aus mehreren Shows zusammengeschnipselt wurde und eine Auflistung aller Trackdaten bleibt wohl Wunschdenken…

Verarbeitung (der zuerst erhältlichen Version in D)
Der Pappschuber wirkt meiner Meinung nach schäbig und kann bei weitem nicht mit einem normalen Jewel Case mithalten. Außerdem ist die CD kopiergeschützt.

Die Songs

I’ve Got The World On A String
Frank bietet hier eine charmante Version, vielleicht eine der besten Live-Darbietungen des Songs seit langem. Frech und gut gelaunt sitzt er auf seinem Regenbogen und bringt den Song in erstaunlich guter stimmlicher Verfassung.

What Now My Love
Im Vergleich zu „String“ hat dieser Track einen schlechten Klang, FS klingt „weit entfernt“. Seine Darbietung ist dennoch recht ansprechend, hierbei dürfte es sich ja wieder um das Riddle-Arrangement handeln. Das Ende des Songs bringt er für meinen Geschmack etwas zu leise und seine Stimme wirkt auch etwas „dünn“.

I Get A Kick Out Of You
Bei diesem Lied kann man eigentlich gar nichts falsch machen, der Song ist ein Garant für gute Stimmung. Auch hier überzeugt Frank vollends, wirkt er anfangs noch etwas zurückhaltend, das ändert sich mit dem tollen Solo im musical interlude jedoch endgültig. Eine unheimlich beswingte Nummer mit Witz und Charme. „I get no kick from champagne, mere alcohol doesn’t phase me at all …. hahaha …. what a lie!”

My Heart Stood Still
Traumhaft schön! Eine großartige Interpretation, bei der Frank sich auch stimmlich nicht verstecken muss! Da muss man gar nichts mehr zu schreiben, einfach zuhören und staunen!

Luck Be A Lady
Swingt richtig klasse, aber das tut der Song doch immer. Kraftvoll und peppig, das könnte er (mit ein paar wenigen Abstrichen) so auch in den 60ern gesungen haben…

I’ve Got A Crush On You
Bringt er auch ganz gut, allerdings hat mich der Song nie so richtig vom Hocker gerissen…

Mack The Knife
Auch dieser Song ist live immer eine erstklassige Nummer. FS swingt hemmungslos mit der Band, kraftvoll und geladen, gute stimmliche Leistung und einfach mitreißend! Wie er schon sagt: „That’s a nice tempo!“

The Girls I Never Kissed
Die Live-Version dieses Songs gefällt mir eigentlich nicht so gut. Hier wirkt Frank viel zu "abwesend" wie ich finde, er singt ziemlich vorsichtig und man merkt förmlich, wie er um die hohen und schweren Töne einen großen Bogen macht. Seine Stimme wirkt an der ein oder anderen Stelle doch recht brüchig und geradezu dünn und irgendwie hört er sich für mich hier auch etwas unsicher an. Hinzu kommt, dass die ganze Aufnahme vom tontechnischen her einfach nicht gut klingt. Nur mit Piano wirkt der Song allerdings wesentlich intimer als in der Studioversion.

For Once In My Life
Dem Song fehlt der kraftvolle bombastische, reißerische Start, er wirkt wesentlich gemütlicher und langsamer als in Versionen der 60er Jahre. Nicht mehr so swingend, eher zurückhaltend jazzig. Und das trifft sowohl auf die Orchestrierung als auch auf den Gesangstil von Frank zu. Hinzu kommen die stimmlichen Problemchen, die er hier und da unüberhörbar hat. Für meinen Geschmack zu langsam gehalten, da fehlt einfach der Schwung und letzte Pepp, den man in früheren Aufnahmen findet! (Auch wenn er gegen Ende der Nummer etwas energischer wird…)

Someone To Watch Over Me
Einer der ganz großen Standards aus dem GAS. Nur leider verdirbt für meinen Geschmack die dünne und brüchige Stimme von FS hier ein bisschen den Spaß an dem Song. „Won’t you tell her please“ klingt unglaublich schief und ansonsten flüstert er große Teile des Songs eher, als das er sie wirklich singt. So schön der Song ist – und so toll FS ihn auch früher gebracht hat: hier gefällt er mir so gar nicht gut…

Maybe This Time
Nichts besonderes.

I’ve Got You Under My Skin
Selbst wenn FS den Song ohne Zähne und Vokale singt, ist er noch klasse! Bei dem Song kann man nichts falsch machen und FS macht wie immer das Beste aus ihm. Großartiges Arrangement von General Nelson und ein guter Frank. Der Song ist – tausendfach bereits gebracht – fester Bestandteil in seinem Konzertprogramm und damit Routine; doch er klingt nie nach Routine, klingt immer frisch und bissig und mit jeder neuen Version hat FS seinen Spaß. Eine starke Nummer…

Only One To A Customer
„…and arranged by Billy May – when he was sober“ sagt FS am Anfang des Liedes, wenn ich es richtig verstehe. Und das hat May klasse gemacht! An die großartige Studioversion reicht das Lied natürlich nicht heran, dafür ist es hier etwas zu langsam gehalten und es fehlt auch ein wenig der letzte Kick. Dennoch eine geniale Nummer mit Seltenheitswert, die FS ruhig öfters hätte darbieten können!

I Have Dreamed
Auch hier fällt als erstes wieder der schlechte Klang auf. FS ist viel zu leise und wirkt meilenweit vom Mikrophon entfernt. FS hätte zwar gerne auch noch etwas lauter singen dürfen, aber er verleiht dem Song auf jeden Fall einen Hauch von Intimität und steigert sich gegen Ende in der Dramatik um ein vielfaches…

My Way
Auch hier wieder eine routinierte Nummer, der man das eigentlich kaum anmerkt. Gemächlicher Anfang, dramatische Steigerung bis zum bombastischen Finale mit einer zwar vom Orchester übertönten, aber dennoch erstaunlich lange gehaltenen Schlussnote.

New York, New York
Und nochmals ein Publikumshit, den FS fast immer großartig bringt. Wie zum Beispiel hier. Das erste „I wanna wake up / in a city that doesn’t sleep“ klingt zwar etwas komisch, das ist aber auch so ziemlich die einzige Stelle, die man bemängeln könnte (wüsste man nicht, dass es vermutlich einer der üblichen Scherze Sinatras war). Der kleine „I always get a pain right here“-Witz nach der langen Note im Mittelteil kommt auch immer gut an und dann steigt FS wieder kraftvoll ein – so soll’s sein!

Zusammenfassung

Trotz ab und zu hörbarer stimmlicher Probleme ist dies eine ganz besondere Show. Ein außergewöhnliches Programm mit zahlreichen Höhepunkten wird von einem im Großen und Ganzen guten Sinatra dargeboten.
Allein die Tatsache, dass es sich nicht um eine authentische Show, sondern um einen Zusammenschnitt aus mehreren Abenden handelt, enttäuscht jedoch ein wenig.

Note: 2

(c) Marc Rothballer für Sinatra - The Main Event, 2005

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