The Main Event

Dean Martin

Everybody Loves Somebody Sometime

Dean Martin war neben Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. einer der amerikanischen Entertainer des 20. Jahrhunderts überhaupt. Bisher wurde viel über sein Leben spekuliert, es wurden Unwahrheiten verbreitet und Gerüchte in die Welt gesetzt. Dies führte zu dem Bild des Dean Martin, das heute leider immer noch häufig zu finden ist: Der betrunkene Playboy und Schwerenöter, den außer Golfspielen, Frauen und Whisky überhaupt nichts interessierte. Diese Biographie soll ihren Beitrag leisten, allmählich von diesem Bild wegzukommen: ‘Ladies And Gentlemen ! The World Greatest Entertainer - Dean Martin !’ Dean Martin wurde als Dino Paul Crocetti, Sohn eines Friseurs italienischer Herkunft, in der ‘South Sixth Street’ in Steubenville, Ohio am 07.06.1917 geboren. In der Highschool, die er seit 1932 besuchte, hat er kein Interesse für Sport und besitzt auch kaum Freunde.

Schon als Heranwachsender singt er Melodien vor sich hin, die er in Steubenville im Kino gehört hat. Anstatt dem Onkel beim Schuhe putzen oder Milch ausfahren zu helfen, verdient er sich sein Geld als Jugendlicher in dem er Whisky mit den ‘Rizzo-Brothers’ nach Pennsylvania bringt. Als er jedoch einsieht, dass diese Art von Arbeit ihn nicht zufriedenstellt, hat er andere Pläne: Unter dem Namen ‘Kid Crochet’ versucht er sich als Preisboxer. Aber bereits nach knapp einem dutzend Mal hat er genug von blutigen Lippen und aufgeplatzten Augenbrauen. Also nimmt er einen Job im Casino seines Freundes Joe DiNovo an. Dort stellen die Gäste fest, dass Dino nicht nur ein fabelhafter Croupier ist, sondern auch phantastisch singen kann. Und so nimmt er jede Gelegenheit in Bars und Nachtklubs wahr, bei der er sein Talent als Sänger zeigen kann. Er singt nur wenige Songs - allesamt sind sie von Bing Crosby. Von ihm hat er Singen gelernt - in dem er ihn im Kino gesehen hat. Noten lesen kann er nicht - und das sollte bis zu seinem Lebensende so bleiben. Um besser beim Publikum anzukommen, ändert Dino Crocetti seinen Namen zuerst in Dino Martini und bald darauf in Dean Martin, dass er gänzlich amerikanisch klingt. Am 01.10.1941 heiratet er zum ersten Mal. Er verdient jetzt als Sänger 200 Dollar die Woche. Doch er lebt über seine Verhältnisse, macht Schulden. 1946 lernt er den jungen Komiker Jerry Lewis kennen. Gemeinsam treten sie im ‘500 Café in Atlantic City auf und schon bald gelten sie als perfektes Duo. Aufgrund der Beliebtheit beim Publikum werden beide für 50.000 Dollar bei Paramount für einen Film engagiert. In den Jahren von 1949 bis 1956 drehen beide rund 15 gemeinsame Filme. Doch Dean hat genug. Genug von dem ‘Affen’ neben sich, der alles ins Lächerliche ziehen muss. Dean bricht nach einer gemeinsamen Show den Kontakt ab. Er weiß, dass er alleine genauso gut war - nein, er ist alleine noch besser.

Er ist bei Capitol unter Vertrag und hat in den späten 50er bereits einige Songs in den ‘Billboard Charts’: ‘Memories Are Made Of This’, ‘Cha Cha Cha D’Amour’. So spielte er in den folgenden Jahren in zahlreichen Filmen u.a. an der Seite von Sinatra, Sammy Davis Jr. und John Wayne. Gemeinsam mit Frank & Sammy tritt er außerdem regelmäßig im ‘Sands Hotel’ in Las Vegas, Nevada auf. Auf der Bühne verkörpert er den trinkfesten Playboy, der frauenfeindliche Witze erzählt und sich über das politische System lustig macht. Dazu trinkt er eine nach Whisky aussehende Flüssigkeit, die in Wirklichkeit aber oftmals nur Apfelsaft ist. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist er, als 1960 die ‘Dean Martin Show’ bei NBC auf Sendung geht. Die Einschaltqouten übertreffen Bob Hope’s und Jonny Carson’s Sendungen bei Weitem. Jede Woche Spaß & Gesang mit Dean Martin, jede Woche neue Gäste. Bei ihm bekommt man alle großen Stars zu sehen: Frank, Sammy, Duke Wayne, Cary Grant, Elke Sommer, ja sogar die ‘Rolling Stones’ kommen. Fast zeitgleich mit Beginn der ‘Dean Martin Show’ wird er bei Sinatra’s Label ‘Reprise’ unter Vertrag genommen. Hier sollten in den nächsten 16 Jahren seine erfolgreichsten Alben entstehen. 1963 war er mit zwei Country-Alben wieder in den Charts vertreten. Der Verkaufsschlager kommt allerdings erst 1964. ‘Everybody Loves Somebody’, der Song zum gleichnamigen Album, verdrängt die ‘Beatles’ mit ‘A Hard Day’s Night’ aus der Spitze der Charts. Dean sieht das Ganze gelassen und reagiert auch nicht auf den Medienrummel um ihn herum. Vielmehr widmet er sich seinen neuen Filmprojekten, so z.B. ‘Marriage On The Rocks’ und ‘The Silencers’. Seine Alben für Reprise wie z.B. ‘Welcome To My World’ und ‘I Take A Lot Of Pride In What I Am’ sind auch in den späten 60ern noch gute Verkaufserfolge.

Mittlerweile allerdings, gehen die Einschaltquoten der ‘Dean Martin Show’ zurück und nach mehr als 10 Jahren, die man auf Sendung war, findet man kaum noch genug Material um die einzelnen Sendungen zu füllen. Schließlich stellt NBC die Show 1974 ein. Von nun an beginnt auch Dean Martin’s Produktivität als Sänger zu schwinden. Die beiden Alben ‘Sittin’ On The Top Of The World’ und ‘You’re The Best Thing That Ever Happened To Me’ bringen nicht den erwünschten Erfolg. Daher weigert sich ‘Reprise’ auch das 1974 eingespielte Album zu veröffentlichen. Dean geht vor Gericht. Erst nach 4 Jahren wird ein Urteil gefällt - aber immerhin gewinnt Dean. ‘Once In A While’ wird veröffentlicht und verschwindet so schnell aus den Charts wie es eingestiegen war.

An Stelle der ‘Dean Martin Show’ ist Dean nun der Gastgeber einer neuen Show: ‘Dean Martin Celebrity Roasts’. Jede Episode feiert jeweils einen ‘Man Of The Hour’. Zufriedenstellend ist das für Dean nicht, auch wenn er wieder auf den Fernsehbildschirmen in den USA zu sehen ist. Überhaupt, es fehlt ihm an Elan. Die Klatschpresse schreibt, dass es besser wäre, wenn er ans Aufhören denken würde, zumal sein Konzertprogramm schon seit Jahren dasselbe sei. 1977 geht er zusammen mit Sinatra auf eine Casino-Tour, wobei die beiden Stars auch im neuerbauten New Yorker Westchester Premier Theatre singen sollten. Dem Duo werden dort für eine Woche 200.000 Dollar bezahlt. Seit Mitte der 70er ist er auch fest im ‘MGM Grand Hotel’ in Las Vegas engagiert und gibt 5 Shows pro Woche. Auch nimmt er eine Rolle für ‘Cannonball Run’ (‘Auf dem Highway Ist Die Hölle Los’) an, die man man ihm 1980 anbietet. Nach 16 Jahren ist er zum ersten Mal wieder zusammen mit Sammy Davis Jr. in einem Film zu sehen. Anfang des Jahres 1983 bringt ihn Jimmy Bowen dazu, erneut das Aufnahmestudio zu betreten. Das Album, ‘The Nashville Sessions’, wird innerhalb einer Woche aufgenommen und während seiner U.K. Tour, im Juni 1983, veröffentlicht. Dean übernimmt sogar einen Song daraus ins Konzertrepertoire. 1984 ist er dann auch beim zweiten Teil von ‘Cannonball Run’ dabei. Sinatra ist auch mit von der Partie. Im selben Jahr gibt er auch ein paar Konzerte in Frankreich, im Lido und im Moulin Rouge. Wieder werden Kritiker laut: „Martin’s program has been the same for more than 20 years. There are 20 minutes done straight, the other 20 show him as an self-parodist.“ Mit Sicherheit war Dean nicht mehr der gleiche wie 1960. Aber seine Stimme hatte sich kaum verändert. Durch mehrfaches Zureden willigt er 1985 nochmals ein, einen Song aufzunehmen, der für die TV-Serie ‘Half Nelson’ verwendet werden sollte. ‘L.A. Is My Home’ war nicht nur Dean’s letzte Single, sondern auch seine Liebeserklärung an die Stadt, die er so toll fand. Er arbeitet nicht mehr sonderlich viel. 1986 will ihn das ‘Bally’s Grand’ in Atlantic City haben und er wird fest engagiert. Martin selbst ist verwirrt, ob seine Gags und seine Person überhaupt noch in die 80er Jahre passten. Da waren so viele junge Stars, Michael Jackson, Bruce Springsteen und wie sie alle hießen. War er nur noch eine bereits tote Showbusiness-Leiche, die leiglich an vergangene Zeiten erinnerte?
Im Frühjahr 1987 stürzt sein Sohn Dean Paul mit dem Flugzeug ab. Dies ist der Schicksalsschlag, der Dean jeglichen Lebensmut raubt. Um Frank und Sammy nicht zu enttäuschen willigt er ein um mit ihnen auf Tournee zu gehen. Die ‘Together Again’ Tour war von Sinatra nicht zuletzt geplant um Dino wieder auf die Bühne zu bringen. Dean macht mit. Er ist bei der Pressekonferenz am 01.12.1987 dabei und es scheint so, als ob er sich wieder gefangen hat. Der Medienrummel um die drei Senior-Stars ist unglaublich. Am 13. März 1988 ist der Auftakt der Tour in Oakland, California. Dean kommt als erster auf die Bühne singt 25 Minuten in seinem üblichen ‘Easy-Going’ Stil und alles scheint perfekt. Doch am 21. März, sie sind gerade in Chicago, hat er genug. Er fliegt nach Hause. In den Medien wird angekündigt, dass er auf Grund von Problemen mit den Nieren im Krankenhaus eingeliefert wurde. Auch war geplant, dass er zu einem späteren Zeitpunkt wieder dazustoßen sollte, aber weit gefehlt. Nichts dergleichen passierte. Frank und Sammy geben erst einige Konzerte zu zweit, dann ist vorerst Schluß. Im September 1988 nimmt Liza Minnelli seinen Platz ein und die ‘Together Again’ wird zur ‘Ultimate Event’ Tour. Und während seine beiden Freunde in Asien und Europa sind, tritt Dean Martin schon wieder im ‘Bally’s’ auf. 1989 feiert Dean seinen 72. Geburtstag in Atlantic City. Jerry überrascht ihn mit einer Geburtstagstorte und den Worten: „Here’s to 72 years of joy you have given to the world“. Dean ist sehr gerührt, ihm stehen Tränen in den Augen. Da steht er - er der ‘Affe’, den er Ende der 40er kennengelernt hatte, er, von dem er sich 1957 distanziert hatte, und der mit dem er von Sinatra 1976 wieder im Jerry Lewis Telethon zusammengeführt wurde.

Dean Martin kommt nicht mehr mit sich und der Umwelt klar. Viele Konzerte werden abgesagt, er tritt immer seltener auf. Es ist von Krebs und Alzheimer die Rede. Auch Golf spielt er nicht mehr. Seine Ex-Frau, die sich dennoch um ihn kümmert, wird gefragt was er den ganzen Tag tut. Sie antwortet sinngemäß: „ Nichts. Er tut nichts. Das kann niemand so gut wie Dean.“ 1991 will in das ‘Bally’s’ erneut engagieren, Dean hat aber kein Interesse. Schließlich geht das Management des Casino’s mit der Gage so weit nach oben, dass Dean doch zusagt.
Er hat Probleme, das Mikrophon zu führen, Probleme, sich auf den Beinen zu halten und Probleme, sich auszudrücken. Jemand muss ihm einen Stuhl bringen. Er vergisst die Texte der Songs, die er schon 25 Jahre und länger singt. Ein tragisches ‘Goodbye’ von der Bühne. Im Juli 1991 gibt er seine letzte Show in Atlantic City.
Danach kommt nichts mehr. Kein öffentlicher Auftritt, kein Interview. Er ist lediglich im November 1994 am Telefon, als seine Tochter Deana in einer Talk-Show zu Gast ist. In ‘Tabloids’ ist über seine zahlreichen Krankenhausaufenthalte und gesundheitlichen Probleme zu lesen. Fans sagen, dass man ihn täglich bis zum Oktober 1995 in Beverly Hills beobachten konnte, wenn er abends in ein kleines italienische Restaurant essen ging. Dort wurde italienische Musik gespielt. Musik, die ihn erinnerte. Ja, er erinnerte sich: Das kleine Haus in der sechsten Straße in Steubenville...
Dean Martin starb an Weihnachten 1995 im Alter von 78 Jahren.

© Florian Kerz für Sinatra – The Main Event, 2001

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