The Main Event

Love Makes Us Whatever We Want To Be

Titel

Love Makes Us Whatever We Want To Be

Text & Musik

Jule Styne & Sammy Cahn

Infos

Sinatras „Songbook“, die knapp 1300 Studioaufnahmen aus sechs Jahrzehnten plus etwa 600 weitere von The Voice interpretierte Lieder, sind bekanntlich sehr breit gefächert, was ihren Ursprung und ihre Urheber angeht. Doch es lassen sich schon einige Schwerpunkte, oder bezogen auf die Komponisten, einige „favourites“ ausmachen – man denke etwa an Cole Porter oder Johnny Mercer , oder an Jimmy van Heusen, der mehr Melodien für Sinatra schrieb als jeder andere Komponist. Zwei Namen aber stechen in diesem Zusammenhang in jedem Falle hervor: Jule Styne & Sammy Cahn!
Julius K. Stein, der als Siebenjähriger zusammen mit seinen Eltern aus London in die USA emigrierte und der neuen Heimat Chicago aus als Jule Styne (1905-1994) zu Weltruhm gelangte., war, wie soviele andere seiner Zunft jener Jahre, ein musikalischer Autodidakt. Allein durch seine genuine Musikbegeisterung und seine Begabung, am Klavier spontan neue Melodien zu „erfinden“, gelang ihm schon in den späten Zwanziger Jahren der Durchbruch. Bald komponierte er für damalige Stars wie Al Jolson oder Ruth Etting, war ab den Dreißiger Jahren am New Yorker Broadway genauso zuhause wie in der Filmmetropole Hollywood, und er blieb bis ins hohe Alter hinein aktiv. Von ihm stammen unzählige Evergreens, die auch hierzulande heute noch bekannt sind – anstatt sie alle aufzuzählen, sei einfach auf die tolle offizielle Website http://www.julestyne.com verwiesen, wo man sich ausführlich über Stynes Leben und Werk informieren kann (im dortigen Songindex finden sich jede Menge „alte Bekannte“).

Stynes persönliche Freundschaft mit Frank Sinatra, die bis zu seinem Tod 1994 andauerte, begann schon um 1940 herum, genau wie bei dem Liedtexter Sammy Cahn (1913-1993), mit dem zusammen Jule Styne seine produktivsten und erfolgreichsten Jahrzehnte als Songschreiber erlebte. Samuel Cohen (so Cahns bürgerlicher Name als Sohn polnisch-jüdischer Immigranten) schrieb mehr Texte für Sinatra (etwa 100) als jeder andere seiner Kollegen, zunächst meist gemeinsam mit Styne, daneben vor allem mit Jimmy van Heusen. Cahn wurde daneben auch so etwas wie der „Spontanschreiber“ Sinatras, steuerte viele spezielle Parodietexte für Franks Auftritte bei, freilich ohne dabei seine Arbeit für viele andere Künstler des Genres zu vernachlässigen.

Eine ganze Reihe von Filmmusiken (z.B. für „Anchors Aweigh“ 1945 und „The Brooklyn Bridge“ 1947) und mehrere dutzend weltweit erfolgreiche Songs verdankt The Voice der Kombination aus Stynes Melodien und Cahns Texten; genannt seien stellvertretend nur „Five Minutes More“ , „Saturday Night“ und „Guess I’ll Hang My Tears Out To Dry“ (alle aus den Vierziger Jahren). Für den von Sinatra interpretierten Filmsong „Three Coins In The Fountain“ (1954) gewannen die beiden 1955 einen Oscar; daneben mit mehreren Grammies, einem Emmy und weiteren Preisen hochdekoriert, wurden beide in die Songwriters Hall Of Fame aufgenommen.

Vor diesem Hintergrund war es mehr als nur eine „Auftragsarbeit“, als Sinatra 1982 seine beiden Freunde bat, ihm für eine geplante Single-Veröffentlichung neben einer Ballade („Searching“) auch einen neuen flotten Song zu schreiben. Heraus kam dabei “Love Makes Us Whatever We Want To Be“ – der letzte neue Song, den Sammy Cahn und Jule Styne gemeinsam speziell für Frank Sinatra komponierten. Im Frühjahr 1982 lag er bei Sinatra auf dem Tisch, und so als ob er das „Familientreffen“ komplettieren wollte, bat Sinatra seinen langjährigen Weggefährten Billy May (1916-2004), ebenfalls seit den Vierziger Jahren als Arrangeur für Sinatra tätig und Begleiter Sinatras auf so legendären Alben wie „Come Fly With Me“ (Capitol 1957), darum, das neue Stück zu orchestrieren. Wenn man so will, fanden sich also bei diesem Lied drei der wichtigsten und nachhaltigsten Protagonisten aus Sinatras Musikkarriere nochmals für eine kleine swingende Zugabe zusammen.

Am 17. August 1982, drei Tage vor seinem großen Fernsehkonzert in der Dominikanischen Republik („Concert For The Americas“ ), spielte Sinatra „Love Makes Us Whatever We Want To Be“ in den Columbia-Studios in New York City für Reprise ein (=Version #1). Die Leitung der vielköpfigen Big-Band, zu der viele Veteranen vergangener Aufnahmesessions zählten, übernahm dabei sein damaliger Konzertorchesterleiter Vincent Falcone junior. Die Aufnahme ließ Sinatra allerdings zunächst unveröffentlicht und berücksichtigte das neue Stück auch nicht in seinen Konzerten. Erst 1995, im Rahmen der großen 20-CD-Box von Reprise („Reprise-Koffer“ ), kam die Aufnahme offiziell heraus, und außer auf der Box ist das Lied leider bislang nirgendwo sonst offiziell erschienen.

Hört man in die Aufnahme von 1982 hinein, fällt es eigentlich schwer, einen Grund dafür zu finden, daß sie solange (über 13 Jahre) im Archiv blieb. Cahn und Styne haben ihre ganze Routine in den charmanten Text und eine „ohrwürmige“ Melodie investiert und ein recht einprägsames musikalisches Bekenntnis zum Thema „wir lieben uns, uns steht die Welt offen, alles andere ist zweitrangig“ verfaßt („verglichen mit uns“, so der überschwengliche Sinn des Textes, „sind alle berühmten Liebespaare der Geschichte noch im Kindergarten“), und die swingende Leichtigkeit der Melodie wird von Billy Mays Chart ebenso gekonnt unterstrichen: Eigentlich ein klassischer Sinatra-Swinger im Stil der Fünfziger Jahre, zugeschnitten auf Sinatras „punching beat“ im Zusammenspiel mit der Big-Band, und dementsprechend hat The Voice auch leichtes Spiel für eine fröhliche, lockere, akzentuierte Darbietung. Eine zum „Fingerschnippen“ mehr als anregende Zugabe von einem der erfolgreichsten Gespanne der Musikgeschichte – Styne, Cahn und Sinatra, musikalisch garniert von Billy May.

Anscheinend war Sinatra aber 1982 mit dem Ergebnis der Aufnahme nicht hundertprozentig zufrieden – jedenfalls setzte er für den 19. Januar 1983 eine neue Session an (wiederum in New York City, diesmal in den RCA Studios), bei der er auch „Love Makes Us Whatever We Want To Be“ erneut einspielte (=Version #2), zu demselben Billy-May-Arrangement, aber mit einer nochmals vergrößerten Big-Band, die jetzt unter der Leitung von Joe Parnello stand. Am selben Tag aber war Don Costa gestorben, Sinatras engster musikalischer Begleiter als Arrangeur und Produzent der letzten beiden Jahrzehnte - so konnte sich Sinatra wohl nicht mit voller Konzentration der Neuaufnahme widmen und entschied sich daher dafür, die Aufnahmen dieser Session nicht zu veröffentlichen. Dabei ist es bis heute geblieben – auch die Reprise-Box von 1995 berücksichtigte die Neuaufnahme vom Januar 1983 nicht, während der fertige Master nach wie vor im Archiv liegt.

© Bernhard Vogel für Sinatra – The Main Event, 2007

Übersetzung

Die Liebe macht uns zu was auch immer wir sein wollen,
Du und ich, das Ende der Baumkrone!
Wir können das Ziel treffen, das andere bloß anvisieren,
wir können all das sein, wofür sie deinen Namen in die „Hall of Fame“ aufnehmen!

Was wir sind, ist absolut einzigartig,
wir schauen auf die Welt herab vom Gipfel der Gipfel!
Wir sind dabei, uns ein wenig Geschichte zu schreiben,
also kämpfe nicht dagegen!

Vergiß einfach diese verrückten Hervorhebungen,
hör’ einfach meinem armen flehenden Herz zu,
ich brauche es einfach, (von Dir) zu wissen, daß Du mich anbetest,
denn die Liebe macht uns zu was auch immer wir sein wollen!

Sagt den andern berühmten Liebespaaren, daß sie ihren Meister gefunden haben,
(im Vergleich zu uns) noch im Kindergarten sind, gerade erst von vorne anfangen!
Wir sind dabei, das große Geheimnis zu lüften,
also kämpfe nicht dagegen!

Eng umschlungen, während der Himmel entscheidet,
zuschauend, wie Sterne und Planeten zusammenstoßen,
von diesem wunderbaren Regenbogen aus schweben wir frei dahin:
Die Liebe macht uns zu was auch immer wir sein wollen,
hey, die Liebe macht uns zu was auch immer wir sein wollen!

Übersetzung: © Bernhard Vogel für Sinatra – The Main Event, 2007

Übersetzung II

Was wir sind ist vollkommen einzigartig -
Wir blicken auf die Welt vom Gipfel des Gipfels!
Wir sind dabei Geschichte zu schreiben,
also kämpfe nicht dagegen an!

Vergiss nur dieses wilde Unterstreichen,
höre auf mein armes Herz, wie es fleht!
Ich muss wissen, dass du mich über alles liebst,
denn die Liebe macht aus uns was immer wir sein wollen!

Sag diesen berühmten Liebespaaren, dass sie ihren Meister gefunden haben!
Sie sind im Kindergarten und tollern vor Schrammen,
wir sind dabei das große Mysterium zu lösen -
Also kämpfe nicht dagegen an!

Schmiegen wir uns aneinander während der Himmel entscheidet,
sehen wir den Sternen und Planeten beim zusammenstoßen zu
Auf diesem herrlichen Regenbogen, den wir umsonst reiten dürfen!
Die Liebe macht aus uns was immer wir sein wollen!

© Übersetzung: Marc Rothballer für Sinatra – The Main Event, 2008

Diskographie

(1) REPRISE-Studioaufnahme vom 17.8.1982
aufgenommen in New York City, Columbia Studios
Arrangement: Billy May
Orchester geleitet von Vincent Falcone jr.:
Charles Turner, John Frosk, Joe Ferrante, Dick Perry (Trompete); Sonny Russo, Morton Bullman, Bob Alexander (Posaune); Paul Faulise (Baßposaune); Don Butterfield (Tuba); Albert Richmond, Joseph De Angelis, Donald Corrado (Horn); Sidney Cooper, Robert Steen, Al Klink, Wally Kane, Sol Schlinger, William Slapin, Walter Levinsky, Phil Bodner (Saxophon, Holzbläser); Joe Malin, Maura Giannini, Richard Young, Louann Montesi, Leo Kahn, Peter Dimitriades, Max Hollander, Carmel Malin, Fred Buldrini, Paul Gershman, Gerald Tarack (Violine); Michael Spivakowsky (Violine, Bratsche); Alfred Brown, Mitsue Takayama, Julien Barber, Harold Coletta (Bratsche); Kermit Moore, Alan Shulman, Jonathan Abramovitz, Jesse Levy (Cello); Nanette Kramer (Harfe); Bernie Leighton (Piano); Tony Mottola, Vincent Bell, Jack Cavari (Gitarre); Gene Cherico, Frank Bruno, Homer Mensch (Baß); Irving Cottler (Schlagzeug); Ted Sommer (Vibraphon, Tympanon, Glocken)
Erstveröffentlichung-CD: The Complete Reprise Studio Recordings (20-CD-Box, Reprise) CD 20 (erschienen November 1995)

(2) REPRISE-Studioaufnahme vom 19.1.1983
aufgenommen in New York City, RCA Recording Studios
Arrangement: Billy May
Orchester geleitet von Joe Parnello:
Charles Turner, Dick Perry, John Frosk, Joe Ferrante (Trompete); Bob Alexander, Sonny Russo, Johnny Messner (Posaune); Paul Faulise (Baßposaune); Donald Corrado, Albert Richmond, Joseph de Angelis (Horn); Don Butterfield (Tuba); Walter Levinsky, Robert Steen, Sidney Cooper, Al Klink, William Slapin, Sol Schlinger, Phil Bodner, Wally Kane, Jeff Hest (Holzbläser); Joe Malin, Gene Orloff, Max Cahn, Martha Caplin, Catherine Metz, Secondo Proto, Maura Giannini, Leo Kahn, Michael Comins, Harry Glickman, Carmel Malin, Harold Kohon, Marilyn Wright, Max Hollander, Anahid Ajemian, Fred Buldrini (Violine); Diann Jezurski, Michael Spivakowsky, Rose Tillotson, Mitsue Takayama, Alfred Brown, Julien Barber (Bratsche); Julius Ehrenwerth, Jonathan Abramowitz, Melissa Meell, Anthony Sophos, Kermit Moore, Alan Shulman (Cello); Nanette Kramer (Harfe); Bernie Leighton (Piano); Tony Mottola, Vincent Bell, Jack Cavari (Gitarre); Gene Cherico, Homer Mensch, Frank Bruno (Baß); Irving Cottler (Schlagzeug); Ted Sommer (Percussion)
unveröffentlicht

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