I'll Remember April

Titel

I'll Remember April

Text & Musik

Musik von Gene DePaul, Text von Don Raye & Patricia Johnson (1941)

Infos

1942 brachte Universal Pictures die musikalische Westernkomödie „Ride’Em, Cowboy!“ (Regie: Arthur Lubin) in die Kinos, in der das damals in den USA sehr populäre Komikerpaar Bud Abbott (1895-1974) und Lou Costello (1906-1959) zwei Erdnußverkäufer spielen, die sich durchs Leben schlagen und schließlich beim Rodeo landen.

Nur aus zwei Gründen ist dieser Kassenflop heute noch in Erinnerung: Zum einen spielte eine junge Ella Fitzgerald hier die erste ihrer insgesamt nur vier Filmrollen und sang ihre eigene Komposition „A-Tisket A Tasket“. Und zum anderen stellte Dick Foran (1910-1979), der damals als „singender Filmcowboy“ in zahlreichen B-Movie-Produktionen Gene Autry Konkurrenz machte (und später auch in TV-Serien wie z.B. „Bonanza“ zu sehen war), ein Lied vor, daß heute zu einem der weltweit meistgespielten Jazzstandards geworden ist: „I’ll Remember April“.

Das romantisch-melancholische Liebeslied stammte aus der Feder von Patricia Johnson und Don Raye (1909-1985), und die Musik dazu hatte Gene DePaul (1919-1988, „Teach Me Tonight“ ) komponiert. Für Foran, der mit seinen Westernsongs auch auf Tournee ging, wurde es im Anschluß an den Film rasch so etwas wie eine Erkennungsmelodie, die bald auch von anderen Vokalisten ins Repertoire genommen wurde.

In diese Zeit fällt auch Frank Sinatras erste Aufnahme von „I’ll Remember April“, die im Oktober 1944 für seine Radioshow „Frank Sinatra In Person“ entstand (= Version #1). Axel Stordahl , sein damaliger Hausarrangeur, schrieb dafür ein wunderbares Arrangement für großes Orchester und ließ seiner Kreativität freien Lauf (man achte mal darauf, wie geschickt Stordahl hier Textstellen auf die Musik übertrug, z.B. bei der Zeile „The fire dwindles into glowing ashes“). Gepaart mit Sinatras Interpretation entstand so eines der schönsten Sinatra-Stücke der Vierziger Jahre, und es ist ein Jammer, daß dieser Chart nicht auf einer Columbia-Studioplatte gelandet ist und es bei dieser einen Radioversion blieb.

Mitte der Fünfziger Jahre entdeckte der Jazz den Song, der zuvor als ‚bloßes Liebeslied‘ behandelt worden war. Großen Anteil daran hatte wiederum Ella Fitzgerald, die das Stück bei ihrem legendären Auftritt beim Newport Jazz Festival am Nationalfeiertag 1957 vortrug. Seither hat es bis heute unzählige meist instrumentale Jazz-Variationen des Titels gegeben, und auch weitere namhafte Sänger, wie etwa Bobby Darin (1958 für sein Album „That’s All) und Perry Como (1962 für sein Album „By Request“), spielten den Song mit großem Erfolg im Studio ein.

So war es nur folgerichtig, daß sich auch Sinatra nochmals dem Lied zuwandte. Im September 1961 entstand „Point Of No Return“ , sein letztes Konzeptalbum für Capitol Records, das ihn nochmals mit Axel Stordahl zusammenbrachte, dem musikalischen Wegbegleiter seiner so erfolgreichen Vierziger Jahre, der damals bereits todkrank war. Zu den Liedern, die Sinatra für das Album auswählte, gehörte auch „I’ll Remember April“. (= Version #2).

Das Arrangement stammte diesmal nicht von Axel Stordahl selbst, sondern von Heinie Beau, der als Tenorsaxophonist und Klarinettist schon seit frühen Dorsey -Tagen immer wieder bei Sinatra-Studioaufnahmen zu hören gewesen war und auch bereits verschiedentlich für Sinatra bei Dorsey , Columbia und Capitol arrangiert hatte. Der Chart, den Sinatra unter Axel Stordahls Leitung mit großem 43köpfigen Orchester einspielte, ist rhythmischer gehalten als die Fassung von 1944 und spiegelt so auch die Jazz-Entwicklung des Liedes ein wenig wider. Sinatras unwiderstehliche Interpretation gehört zu den Höhepunkten des Albums.

© Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event 2005

Übersetzung

Dieser schöne Tag wird sich langsam gen Abend neigen,
wir werden „Auf Wiedersehen!“ seufzen zu allem, was wir je hatten.
Allein, wo wir einst gemeinsam gingen,
werde ich mich an den April erinnern und froh sein.

Ich werde zufrieden sein,
einst liebtest Du mich im April,
Deine Lippen waren warm,
und die Liebe und der Frühling waren neu,
aber ich fürchte mich nicht
vor dem Herbst und seinen Sorgen,
weil ich mich an den April und an Dich erinnern werde.

Das Feuer wird zu glühender Asche zusammenfallen,
denn die Flammen und die Liebe haben ein so kurzes Leben.
Ich werde es nicht vergessen, aber ich werde nicht einsam sein:
Ich werde mich an den April erinnern und lächeln.

© Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event 2005

Diskographie:

(1) „Frank Sinatra in Person“ (CBS Radio/Vimms Vitamins) vom 11.10.1944
aufgenommen in New York City, CBS Playhouse #3
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: Portraits from the Past (Bravura)

(2) CAPITOL-Studioaufnahme vom 12.9.1961
aufgenommen in Hollywood, Capitol Tower, Studio A
Arrangement: Heinie Beau
Orchester geleitet von Axel Stordahl:
Pete Candoli, Mickey Mangano, Uan Rasey, Zeke Zarchy (Trompete); Dick Nash, Dick Noel, Milt Bernhart, George Roberts (Posaune); Vincent DeRosa, John Cave, Richard Perissi (Horn); Ted Nash, Harry Klee, Ronny Lang, Gene Cipriano, Willie Schwartz, Justin Gordon, Babe Russin (Saxophon, Holzbläser); Erno Neufeld, Felix Slatkin, Anatol Kaminsky, Harry Bluestone, Victor Arno, Ben Gill, Dan Lube, Nathan Ross, David Frisina, Herman Clebanoff, Israel Baker, Lou Raderman (Violine); Paul Robyn, Virginia Majewski, Alex Neiman, Alvin Dinkin (Bratsche); Edgar Lustgarten, Eleanor Slatkin, Kurt Reher (Cello); Verlye Mills (Harfe); Bill Miller (Klavier); Al Viola (Gitarre); Joe Comfort (Baß); Irving Cottler (Schlagzeug); Emil Richards (Percussion).
Erstveröffentlichung/Album/LP/CD: Point Of No Return (Capitol) (zuerst 5.März 1962)

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