The Main Event

Begin The Beguine

Titel

Begin The Beguine

Text & Musik

Musik und Text von Cole Porter (1935)

Infos

I.

Mit Einwanderern aus Schwarzafrika gelangte im frühen 19. Jahrhundert der Belé auf die Inseln der Kleinen Antillen in der östlichen Karibik, ein Volkstanz mit weit zurückreichender afrikanischer Überlieferung, der sich dann auf den damals zu Frankreich gehörenden Inseln, vor allem auf Martinique, Dominica und Saint-Lucia, mit einheimischen karibischen Musiktraditionen verband. Aus dieser Mischung entwickelten dortige Musiker dann einen neuen Tanz, der mit seinem 4/4-Takt im Prinzip der Rumba ähnelte, jedoch einen deutlich langsameren Rhythmus hatte, und nannten ihn französisch béguine.

Im Namen des neuen Tanzes, der das Liebeswerben darstellen sollte, steckte des französische Wort s’embéguiner (aus lateinisch imbeguiniri), was damals bereits im allgemeinen Sinne von „mit jemandem flirten, um jemanden werben“ verwendet wurde, ursprünglich aber konkret „eine Haube [aus ungefärbter Wolle] aufsetzen“ bedeutete. Darin steckt das lateinische Wort bigio für ungefärbte Wolle, wie wir es heute noch im Wort „beige“ kennen.

Wozu diese kleinen sprachgeschichtlichen Erläuterungen; schließlich soll der „Main Event“ ja kein Wörterbuch sein?

Der Hintergrund ist die Doppeldeutigkeit des englischen Wortes „Beguine“, die sehr oft zu Verwechslungen führt, die man im Zusammenhang mit dem hier behandelten Lied lesen kann und die daher an dieser Stelle einmal geklärt sein sollen (die mitunter ebenfalls anzutreffende Verballhornung „Begin The Begin“ kann dabei außen vor bleiben):

Zum einen ist „Beguine“ (dann korrekt ausgesprochen biiihgeeehn, im amerikanischen auch biiiihgiiiihn - wie es Sinatra beispielhaft vorführt!) und so natürlich auch im Falle unseres Wochenthemas, der eben erwähnte karibische Tanz aus dem 19. Jahrhundert.

Mit dem gleichen englischen Wort „Beguine“ (dann aber ausgesprochen baaahgen oder baaahgeeehn!) sind aber auch die Beginen (lateinisch beguinae) gemeint, eine seit dem frühen 13. Jahrhundert gebräuliche Bezeichnung für fromme Frauen (meist unverheiratete oder Witwen), die zwar ohne irgendwelche Gelübde oder offizielle Regeln (also nicht als Nonnen), doch meist in selbstgewählter Armut und Keuschheit in klosterartigen Gemeinschaften zusammenlebten. Und das charakteristische Erscheinungsmerkmal dieser mittelalterlichen Armutsbewegung war die Kleidung aus ungefärbter Wolle, aus der sich die Frauen auch ihre Hauben fertigten – da liegt der gemeinsame Ursprung beider Bezeichnungen.

Mit den Beginen selbst, zu deren wichtigsten Ursprungszentren auch der gesamte Niederrhein gehört (wo es übrigens auch heute noch Beginen gibt), aber hat der „Beguine“ als Tanz nichts zu tun – im Gegenteil, zur Aufgabe einer Begine würde es wohl eher gehören, dem „Beguine“ konsequent fernzubleiben...

Im Laufe des 19. Jahrhunderts verfeinerte sich der Beguine in der Karibik, und seine drei Hauptrichtungen – nämlich der béguine de bal, der béguine de salon und der béguine de rue – kamen bald auch in die Ballsäle und Salons der Kolonialmacht Frankreich bzw. ihrer Hauptstadt Paris.

Einen besonders großen Popularitätsschub erhielt der Beguine dort während der großen Kolonialausstellung 1931 – und hier in Paris war es auch, wo der „Sound“ einen zeitweilig dort lebenden amerikanischen Komponisten so sehr beeindruckte, daß er ihn in einem Lied verewigte: Cole Porter.

II.

Über Cole Porter (1891-1964) und seine Bedeutung als einer der herausragendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts braucht man an dieser Stelle keine großen Worte mehr verlieren, nicht nur, weil seinem Oeuvre eine recht zentrale Rolle in Sinatras Werk zukommt (man denke nur an „I’ve Got You Under My Skin“ )-
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Im Sommer 1935 komponierte und textete Porter die Stücke für sein neuestes Musical-Projekt, eine schwungvolle Screwball-Comedy namens Jubilee um eine fiktive „royal family“ (lose angelehnt an Charaktere des britischen Königshauses). Mit Arrangements von Robert Russell Bennett und unter der musikalischen Leitung von Frank Tours feierte „Jubilee“ am 12.10.1935 seine Broadway-Premiere im New Yorker Imperial Theatre, wo es bis Anfang Mai 1936 in 169 Vorstellungen mit großem Erfolg zu sehen war.

Aus dem musikalischen Programm der Show sind vor allem zwei Lieder zu Standards des American Songbook geworden: „Just One Of Those Things“ – und eben “Begin The Beguine“, das Porter im September 1935 fertiggestellt hatte. Wie in vielen anderen seiner Lieder auch, so verarbeitete er dabei auch hier Anregungen aus seiner Zeit in Europa und im mondänen Paris, wo er, wie oben bereits erwähnt, unter anderem den von den Antillen an die Seine importierten „Beguine“ kennengelernt hatte.

Für seinen „Beguine“ adaptierte Porter den rumbaähnlichen Rhythmus und versah die Melodie mit einem seiner schönsten Liedtexte, dessen Wortwitz und (wie stets bei Porter ) vielschichtige Reimtechnik bereits im Titel deutlich wird. Auch gelang es ihm, mit der vom Text aus der Rückblende erzählten leidenschaftlichen Affäre die Worte mit der karibischen Ursprungsbedeutung des Tanzes, eben dem Liebeswerben, zusammenzubringen, so daß die „Story“ gleichzeitig auch so etwas wie eine Beschreibung dessen ist, was den Beguine eigentlich ausmacht. Und daß der Protagonist der Erinnerung an die vergangene Liebe zunächst ausweichen will, ihr dann aber doch wieder verfällt, ist natürlich „Porter pur“...

Bei der Broadway-Premiere und in den ersten Wochen danach war es die junge Tänzerin und Sängerin June Knight (1913-1987; eigentlich Margaret Rose Valliquietto), die „Begin The Beguine“ in ihrer Rolle als „Karen O’Kane“ dem Publikum vorstellte. Gegen Ende der Spielzeit übernahm dann Betty Allen diese Rolle.

Die erste kommerzielle Studioaufnahme des neuen Liedes stammt von dem hispanoamerikanischen Bandleader Xavier Cugat (1900-1990), der eigentlich – tief Luft holen – Francisco de Asis Javier Cugat Mingall de Bru y Deulofos hieß und aus Barcelona über Kuba nach New York City gekommen war, wo er in den Dreißiger Jahren sein „Waldorf Astoria Orchestra“ mit vorwiegend lateinamerikanischem Repertoire anführte. (Bei Columbia nahm Cugat später auch mit Sinatra eine Single auf). Cugats Aufnahme, mit Gesang von Don Reid (1906-2001) (der später selbst ein eigenes Orchester gründete), kam zeitgleich zur Broadway-Premiere von „Jubilee“ als Single auf dem Victor-Label heraus und kletterte in den Charts ab Anfang November 1935 immerhin bis auf Platz 13.
Ebenfalls noch 1935 erschienen zwei weitere Aufnahmen von „Begin The Beguine“, eine von Paul Whiteman und seinem Orchester (ebenfalls bei Victor), und eine von Joe Haymes und seiner Big-Band (bei Thesaurus).

Den Durchbruch zum Welthit verdankt „Begin The Beguine“ aber der drei Jahre später entstandenen Fassung von Artie Shaw (1910-2004), der das Stück mit seinem Orchester im Sommer 1938 einspielte und im August bei Bluebird als Single herausbrachte. Bereits Anfang September 1938 kam die Aufnahme in die Billboard-Charts und blieb dort dann sechs Wochen lang an erster Stelle. Auch im Ausland verkaufte sich die Scheibe mit außerordentlichem Erfolg, und so blieb es nicht aus, daß bald die anderen großen Big-Bands der Zeit mit eigenen Versionen nachzogen: Harry James, Tommy Dorsey, Benny Goodman, Glenn Miller und viele andere nahmen den „Beguine“ ebenfalls in ihr Repertoire auf. (Und in einem kleinen Nachtlokal in New Jersey griff auch ein junger Sänger aus Hoboken 1938 zum Mikrophon, um den Titel zu interpretieren – dazu später mehr...)

1940 kam „Begin The Beguine“ dann auch auf der Leinwand zu Ehren: MGM brachte sein Musical „Broadway Melody Of 1940“ (Regie: Norman Taurog) in die Kinos, mit Eleanor Powell und Fred Astaire in den Hauptrollen, die zu den Klängen von Porters Lied eine ausgedehnte und hinreißend choreographierte Tanzeinlage darboten, die bis heute zu den Klassikern dieses Genres zählt. Außer in dieser Szene war aber auch Porters Text zu hören, gesungen von Lois Hardnett, die als „Gesangsdouble“ für Carmen D’Antonio (1911-1986) fungierte, begleitet von einem weiblichen Vokalquintett namens “The Music Maids“ (mit Bobbie Canvin, Patt Hyatt, Alice Ludes, Denny Wilson und Jeanne Darrell).

Spätestens mit dem großen Kassenerfolg dieses Streifens galt „Begin The Beguine“ bereits als Klassiker, und so ist es dann auch bis heute geblieben, denn das Lied gehört nach wie vor zu den am häufigsten gecoverten und gespielten Melodien weltweit. So erübrigt sich auch eine Aufzählung all der vielen namhaften Künstlerinnen und Künstler, die im Laufe der Jahrzehnte eine eigene Version beigesteuert haben, denn sie würde den Rahmen sprengen. Erwähnt sei lediglich die Aufnahme des spanischen Sängers Julio Iglesias, die erstmals 1981 herauskam, ein Millionenhit in der ganzen Welt geworden ist und besonders in den europäischen Hitparaden zahlreiche Spitzenplätze belegte.

Iglesias nahm auch eine spanische Version auf (“Volver a Empezar“), mit der er die südamerikanischen Charts eroberte. Sie fiel zusammen mit einem spanischen Spielfilm gleichen Titels, der 1982 den begehrten Oscar für den besten ausländischen Film gewinnen konnte. Den spanischen Text schrieb Iglesias selbst, obwohl es schon 1935, als Porter sein Lied herausbrachte, auch eine erste spanische Fassung gegeben hatte (nähere Infos: http://www.ce.berkeley.edu/~coby/songtr/begin.htm)

Natürlich nahm „Begin The Beguine“ auch in den beiden Verfilmungen von Cole Porters Leben eine herausragende Position ein:
In „Night And Day“ (Warner Brothers 1946, Regie Michael Curtiz), wo Cary Grant den Komponisten in einem weitgehend fiktiven Plot verkörperte, ist das Lied zweimal zu hören, einmal dargeboten von einem gemischten Chor und einem Tanzensemble, und einmal als Solo des berühmten Opernbaritons Carlos Ramirez (1911-1986), der damals auch in vielen Musikfilmen mitspielte (zum Beispiel neben Sinatra in „Anchors Aweigh“ ).

Und in dem 2004 erschienenen Streifen „De-Lovely“ (United Artists, Regie: Irwin Winkler) mit Kevin Kline als Cole Porter ist „Begin The Beguine“ in einer Aufnahme von Sheryl Crowe (*1962) zu hören.

Dieser Tage vor vierzig Jahren begann im amerikanischen Fernsehen die Erfolgsgeschichte von “Star Trek“, und mit der Serie die ihrer originalen Titelmelodie, komponiert von Alexander Courage (*1919). Dieses Thema gilt als eine der bekanntesten späteren Adaptionen des Beguine und seiner musikalischen Traditionen; Courage selbst nannte auch ausdrücklich
Porters Song von 1935 als Inspiration. Was Porter wohl dazu gesagt hätte? (Vielleicht hätte Courage bei dessen Kommentar seinem Namen alle Ehre machen müssen...)

Außer im weltweit gespielten Standardrepertoire des „Great American Songbook“ aber hat Porters „Begin The Beguine“ auch künstlerische Spuren ganz anderer Art hinterlassen, die man besichtigen kann, wenn man heute das Kunstmuseum der University of Michigan in der Stadt Ann Arbor (US-Bundesstaat Michigan) besucht und die in dieser Form einzigartig ist.

Max Beckmann (1884-1950), der große deutsche Expressionist und einer der einflußreichsten Maler der Moderne, den die Nazis 1937 ins Exil nach Amsterdam getrieben hatten (von wo er 1947 in die USA emigrierte), ließ sich von Porters Stück zu einem Ölgemälde inspirieren, das er 1946 noch in Amsterdam fertigstellte und dem er denselben Titel gab „Begin The Beguine“. Es gilt heute als eines der wichtigsten Spätwerke Beckmanns.

Welche der damals schon nach Dutzenden zählenden Fassungen er dabei nun im Ohr hatte, ist nicht überliefert (jedenfalls konnte ich nichts darüber finden) – aber immerhin ist es theoretisch möglich, daß es diejenige von Frank Sinatra war, die genau in diesem Jahr bei Columbia auf den Markt kam... wahrscheinlicher hingegen ist wohl, daß sich Beckmann von „moderneren“ Interpretationen wie der des von ihm sehr geschätzten Charlie Parker orientiert hat.
III.

Wie eben bereits kurz erwähnt, reicht Sinatras Beschäftigung mit „Begin The Beguine“ bis in seine frühesten Jahre als Sänger zurück. Schon 1938, als Artie Shaws Erfolgsaufnahme den Äther beherrschte, sang er es auf der Bühne des „Rustic Cabin“, jenes kleinen Tanzlokals in Englewood Cliffs bei Alpine (US-Bundesstaat New Jersey) vor den Toren New Yorks, wo Harry James ihn im folgenden Frühjahr entdecken würde. In den Monaten mit James (Juni 1939 bis Januar 1940) und auch in seinen Konzertjahren bei Tommy Dorsey (1940-1942) sang „The Voice“ Porters Stück ebenfalls zahlreiche Male live, ohne daß freilich bislang eine solche Aufnahme veröffentlicht worden wäre. Auf eine Studiofassung hingegen verzichtete er zunächst.

Sinatra besaß also schon reichlich Erfahrung mit diesem Lied, als dann im Mai 1943 bei einem ‚dress rehearsal‘ für seine Radioshow „Your Hit Parade“ (NBC) die früheste Aufnahme entstand, die bislang aufgetaucht und jetzt auf der Columbia/Legacy-CD „Sinatra Sings Cole Porter“ (dort allerdings mit falscher Datums- und Herkunftsangabe, Details siehe unten im Diskographie-Teil) auch offiziell erschienen ist (=Version #1).

Axel Stordahl arrangierte den Song für Sinatra als beschwingte Rumba, die gegen Ende in klavier-gestützte Balladenklänge mündet und besonders den letzten Zeilen des Textes dadurch große Interpretationsschärfe verlieh – in diesem Stil, der dem ‚Original‘-Beguine relativ nahekommt, hatte er das Lied auch zuvor gesungen, und so ist diese erste wohl auch gleich die pointierteste seiner Versionen geworden. Auch wenn Sinatra manche Nuancen später noch vertiefte: Sein Umgang mit Porters Versen und dem Tempowechsel gegen Ende zeigte bereits, wie meisterhaft „The Voice“ mit dem Material umzugehen verstand. Gänsehautmomente.

Ein Jahr darauf, im Sommer 1944, entstand eine weitere Aufnahme, ebenfalls für das Radio (für das AFRS-Special „Mail Call“ #104) und ebenfalls auf der neuen Columbia-CD enthalten, allerdings schon vorher auf dem 30-CD-Set von Radio Spirits offiziell und schon Jahre davor auf einer inoffiziellen CD erschienen ( = Version #2).
Wiederum stammte das Arrangement von Stordahl, enthielt aber jetzt im Wechsel mit dem Rumba-Rhythmus schon einige schnellere ‚swingende‘ Elemente. Diesen Chart sang Sinatra einige Wochen später auch nochmals in seiner von „Vimms Vitamins“ gesponsorten eigenen Radioshow „Frank Sinatra In Person“ (= Version #3).

Im Herbst 1945 schrieb Stordahl dann ein gänzlich neues Arrangement für Sinatra, das aus dem Song einen Big-Band-Swinger machte, den FS erstmals in seiner „Songs By Sinatra“-Show vorstellte (=Version #4) und im gleichen Rahmen im Januar 1946 wiederholte (=Version #5). Zwar sang Sinatra jetzt kraftvoller als noch 1943, doch war der ursprünglich erkennbare bzw. hörbare Bezug zum „Beguine“ verlorengegangen. Damit wollte Sinatra sich sicher auch ein wenig von den damals bereits zahlreichen anderen Versionen im „originaleren“ Stil absetzen; doch im Vergleich mit seiner ersten Aufnahme scheint manche Pointe hier etwas zu verflachen.

Einen Monat später, Ende Februar 1946, nahm Sinatra diese neue Swing-Fassung dann auch kommerziell, gemeinsam mit Axel Stordahl , für Columbia Records im Studio auf (=Version #6). Im Frühjahr 1946 kam sie als Single heraus, also in typisch gewiefter Planung rechtzeitig zum Kinostart der Cole-Porter-Filmbiographie mit Cary Grant, und erreichte in den Charts immerhin Platz 23. Parallel dazu erschien die Aufnahme auch auf einer „V(ictory)“-Disc im Rahmen des speziellen Schallplattenprogramms der amerikanischen Landstreitkräfte. Heute ist sie auf einer ganzen Reihe von Columbia-CDs verfügbar (Details siehe unten).

Bis 1950 hatte Sinatra „Begin The Beguine“ dann noch einige Male in seinen Radioprogrammen, ohne daß sich am Arrangement noch grundlegendes änderte: Im März, September und November 1946 sowie im Mai 1947 war Porters Evergreen von „The Voice“ in seiner Show „Songs By Sinatra“ auf CBS zu hören (=Versionen #7, #8, #9 und #10); im Januar 1948 dann auch im Rahmen der wöchentlichen „Your Hit Parade“ auf NBC (= Version #11), was den ungebrochen hohen Beliebtheitsgrad des Stücks unterstreicht.
Bei seiner neuen eigenen Show „Light-Up Time“ setzte er dann, was die Orchesterbegleitung anbelangt, im Oktober 1949 mit Jeff Alexander (= Version #12), im Dezember 1949 mit Ziggy Elman (= Version #13) und schließlich im März 1950 mit Skitch Henderson (= Version #14) noch einige „jazzigere“ Akzente in seiner jetzt stimmlich reiferen Interpretation, die beim Nachhören eigentlich schon „Lust auf mehr“ macht, vielleicht auf einen Balladenversuch bei Capitol... doch Sinatra hat das Stück nach 1950 dann nicht mehr gesungen.

So bleibt es immerhin reizvoll, durch die relative chronologische Dichte mit gleich 13 Versionen aus sieben Jahren Sinatras Entwicklung von und mit „Begin The Beguine“ quasi miterleben zu können. Die „Favoritenwahl“ wird dabei je nach Gehör und Geschmack wieder unterschiedlich ausfallen – für den meinigen hat Sinatra „Begin The Beguine“ nie schöner gesungen als 1943...

...it brings back the sound of music so tender.

Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Übersetzung

Wenn sie beginnen
den Beguine zu spielen,
dann bringt es den Klang zurück
von so sanfter Musik,
es bringt eine Nacht zurück
voller tropischem Glanz,
es bringt eine Erinnerung zurück,
immergrün:

Ich bin noch einmal zusammen mit Dir
unter den Sternen,
und unten am Strand
spielt ein Orchester,
sogar die Palmen
scheinen sich zur Musik zu wiegen,
wenn sie beginnen
den Beguine zu spielen!

Es noch einmal erleben zu können,
liegt außerhalb dessen, worum ich mich bemühe,
außer wenn diese Melodie
gierig nach meinem Herzen greift:
Und da sind wir (dann wieder),
wie wir uns ewige Liebe schwören
und uns versprechen, niemals,
niemals auseinanderzugehen!

Was für göttliche Momente,
was für eine himmlische Verzückung!
Solange, bis Wolken herankamen, um
die Wonnen zu vertreiben, die wir gekostet hatten...
Und heute, wenn ich Leute höre, die
über eine verpaßte Gelegenheit fluchen,
weiß ich nur zu genau
was sie meinen.

Also laß sie gar nicht erst beginnen
den Beguine zu spielen!
Laß die Liebe, die einst ein Feuer war,
ein verglühender letzter Funke bleiben!
Laß sie schlafen wie das erloschene Verlangen,
an daß ich mich nur erinnere,
wenn sie beginnen
den Beguine zu spielen.

(Oh bitte) Laß sie beginnen
den Beguine zu spielen, (laß sie spielen),
solange bis die Sterne, die vorher da waren,
wieder über Dir zurückkehren,
solange bis Du mir noch einmal zuflüsterst:
„Schatz, ich liebe Dich!“

Und auf einmal werden wir wissen,
in welch Himmel wir sind,
wenn sie beginnen
den Beguine zu spielen.

© Übersetzung: Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Diskographie:

(1) „Your Hit Parade“ (CBS Radio) dress rehearsal vom 22.5.1943
aufgenommen in New York City, CBS Playhouse #1
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Mark Warnow
CD: Sinatra Sings Cole Porter (Columbia/Legacy) (erschienen 22.7.2003)
[ Hinweis: Falsches Datum und falsche Herkunftsangabe „circa 1944 from Vimms Vitamin Show“ im Booklet ]
*CD: The Unheard Frank Sinatra Vol. 2 (Vintage Jazz Classics VJC 1007)

(2) „Mail Call“ #104 (AFRS) vom 9.8.1944
aufgenommen am 29.7.1944 in New York City, CBS Station KNX
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
CD: 60 Greatest Old-Time Radio Shows (Radio Spirits) CD 30
CD: Sinatra Sings Cole Porter (Columbia/Legacy) (erschienen 22.7.2003)
*CD: The Unheard Frank Sinatra Vol. 4 (Vintage Jazz Classics VJC 1051)

(3) „Frank Sinatra In Person“ (CBS Radio/Vimms Vitamins) vom 23.8.1944
aufgenommen in Hollywood, CBS Playhouse
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
*CD: Portraits From The Past (Bravura)

(4) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 26.9.1945
(erneut ausgestrahlt in der AFRS-Ausgabe von „Songs By Sinatra“ am 19.12.1945)
(erneut ausgestrahlt in der AFRS-Show „Your Personal Album“ #817, 1946)
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(5) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 23.1.1946
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
*CD: Songs By Sinatra - The Old Gold Shows Vol. 5 (OTA) CD 2

(6) COLUMBIA-STUDIOAUFNAHME vom 24.2.1946
aufgenommen in Hollywood (take 1)
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl:
Ray Linn, Max Herman, Mannie Klein (Trompete); Hoyt Bohannon, Elmer Smithers, Les Jenkins (Posaune); Richard Perissi (Horn); Heinie Beau, Jules Kinsler, Arthur Smith, Herbie Haymer, Harry Schuchman (Saxophon, Holzbläser); Mischa Russell, Samuel Cytron Levine, George Kast, Gerald Joyce, Sam Middleman, Sol Kindler, William Bloom, Harry Bluestone, Nicholas Pisani, Olcott Vail, Sam Freed jr., Morris King (Violine); David Sterkin, Alex Neiman, Leonard Selic (Bratsche); Fred Goerner, Jack Sewell, Julius Tannenbaum (Cello); May Hogan Campbern (Harfe); Marck McIntyre (Klavier); George van Eps (Gitarre); Phil Stevens (Baß); Ray Hagan (Schlagzeug)
Erstveröffentlichung-Single: Begin The Beguine/Where’s My Bess (78rpm, Columbia 37064) (erschienen 1946)
V-Disc: That Old Black Magic/Begin The Beguine (722-B, Army) (erschienen 1946)
Erstveröffentlichung-LP: The Frank Sinatra Story In Music Vol. 2 (Columbia CL 1131) (erschienen 10.2.1958)
CD: The Frank Sinatra Story In Music (2-CD-Set, CBS/Sony Special Products) CD 2
CD: The Columbia Years-The Complete Recordings (12-CD-Box, Columbia/Legacy) CD 4 (erschienen 5.10.1993)
CD: Best Of The Columbia Years (4-CD-Box, Columbia/Legacy) CD 3 (erschienen 31.10.1995)
CD: Super Hits (Columbia/Sony) (erschienen 2000)
CD: The Great American Songbook (Columbia/Legacy) (erschienen 20.9.2005-zurückgerufen; neu erschienen 5.9.2006)

(7) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 27.3.1946
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(8) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 11.9.1946
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(9) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 20.11.1946
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
*CD: Old Time Radio Shows (30-CD-Set, Crabapple Sound) CD 3

(10) „Songs By Sinatra“ (CBS Radio/Old Gold Cigarettes) vom 14.5.1947
(erneut ausgestrahlt in der AFRS-Show „Mail Call“ #283 vom 28.1.1948)
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl
*CD: Old Time Radio Shows (30-CD-Set, Crabapple Sound) CD 8

(11) „Your Hit Parade“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) vom 24.1.1948
aufgenommen in New York City
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Axel Stordahl

(12) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) [= AFRS #10] vom 31.10.1949
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Jeff Alexander
*CD: Old Time Radio Shows (30-CD-Set, Crabapple Sound) CD 12

(13) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) vom 6.12.1949
(Aufnahmeort niocht dokumentiert)
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Ziggy Elman

(14) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) [=AFRS #58] vom 10.3.1950
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: Axel Stordahl
Orchester geleitet von Skitch Henderson
*CD: Old Time Radio Shows (30-CD-Set, Crabapple Sound) CD 18

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