The Main Event

Yesterday

Titel

Yesterday

Text & Musik

Musik & Text von Paul McCartney (1965)
Hinweis: Aufgrund einer Vereinbarung mit John Lennon erschienen und erscheinen bei offiziellen Credits immer Lennon und McCartney als Autoren

Infos

Am 17. Juni 2005 versammelte George Martin, Produzent der Beatles, ein Streicherquartett im Studio und ließ das Ensemble einen hastig niedergeschriebenen Instrumentalpart einspielen. Diese Aufnahme wurde dann noch am selben Tag mit einem Song zusammengeschnitten, den Paul McCartney drei Tage zuvor, am 14.6.2005, an der Londoner Abbey Road solo mit eigener E-Gitarren-Begleitung aufgenommen hatte. Es war die Geburtsstunde eines Liedes, das seither um die Welt gegangen ist: “Yesterday”.

Wann und wie McCartney zur Melodie von “Yesterday” gekommen ist, darüber gibt es auch von offizieller Seite verschiedene Berichte. Der populärste Mythos besagt, daß ihm die Melodie eines Nachts im Traum eingefallen sei, in der Wohnung seiner damaligen Freundin Jane Asher in der Londoner Wimpole Street. Jedenfalls schrieb McCartney die Melodie schon längere Zeit vor 1965 nieder.

Während der Dreharbeiten zu ihrem Film “Help!” 1965 nutzte McCartney die Gelegenheit, die Melodie am Klavier vorzuspielen, und sang dazu einen Jux-Text (wie die Beatles und andere das häufiger machten, wenn es noch keinen richtigen Text zu einer neuen Melodie gab) – Titel: “Rührei” !

Ins Reich der Legende gehört, sagt jedenfalls Jane Asher in ihren Memoiren, daß Paul den Anfangstext auch einmal als “Scrambled eggs / oh my darling, you’ve got lovely legs” variiert habe.

Anfang Juni 1965, während eines Urlaubs in der “Villa of Shadows” in Portugal, schrieb McCartney dann den richtigen Text fertig, auch unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter kurze Zeit zuvor. Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Portugal ging er dann ins Studio, um das Lied aufzunehmen, und Martin produzierte den “final master” mit dem Streichquartett als zusätzliche Untermalung.

Zwar erschien “Yesterday” als 13.Song auf dem legendären Beatles-Album “Help” im August 1965 (das sogleich an die Spitze der Alben-Charts schoß und dort rekordverdächtige neun Wochen verweilte), und die “Fab Four” spielten im Sommer 1965 in Blackpool auch eine Live-Version ein. Doch weil sich das Lied so sehr vom “typischen” Beatles-Sound unterschied, sperrte sich die Gruppe zunächst dagegen, den Song in Großbritannien auch als Single herauszubringen. Das erledigte dann Matt Monro, der im Spätsommer die erste Cover-Version von “Yesterday” einspielte und mit dieser Single gleich in die Top Ten gelangte.

In den USA hingegen brachte Capitol “Yesterday” auch als Beatles-Single auf den Markt (im September 1965) – und der Erfolg war umwerfend. Ab Oktober stand “Yesterday” einen Monat lang an der Spitze der Billboard-Single-Charts, und innerhalb von nur fünf Wochen wurde die Single über eine Million Male verkauft. Acht Jahre(!) lang blieb die Aufnahme das meistgespielte Lied in amerikanischen Radiosendern... der Beginn einer bis heute alle Rekorde brechenden Erfolgsgeschichte. Über 3000(!) verschiedene Cover-Versionen von “Yesterday” sind seit Matt Monros Auftakt bis heute dokumentiert, noch immer kommen monatlich neue hinzu – Weltrekord.

Natürlich reihte sich neben vielen, vielen anderen Größen auch Frank Sinatra in die Reihe der “Yesterday”-Interpreten ein – und ebenso natürlich, möchte man sagen, gelang ihm eine der allerschönsten Cover-Aufnahmen von allen.

Am 20. Februar 1969 spielte Sinatra das Lied für sein Reprise-Album “My Way” ein, bei einer seiner besten Balladen-Sessions der späten Sechziger Jahre (außer “Yesterday” entstanden an diesem Abend noch “If You Go Away” und “A Day In The Life Of A Fool”). Das Arrangement stammte von Don Costa, der auch das Orchester bei der Aufnahme leitete. Costa setzte auf eine pointierte, nicht zu massig klingende Streicherbegleitung, und einen sanften “contemporary beat” für den Mittelteil.

Die Emotionen melancholischer Sehnsucht nach “dem Gestern” in einen Song hineintragen: Das konnte wohl niemand anderes besser als Sinatra, und seine Aufnahme von “Yesterday” ist dementsprechend phänomenal und individuell. Den Beat des Originals hatte schon Costas Arrangement weitgehend herausgenommen, und Sinatra setzte mit seinem konsequenten “sailing above the music” noch einen drauf, zumal er hier mehrmals mit einer seiner “trademark syllables” glänzen konnte, dem “-ayyyy” (in vielen seiner Lieder präsent: Dream Awayyyyy, Walk Awayyy, Night And Dayyy usw. etc.)

Großartig vor allem die Phrasierung der bridges in “suddenly / I’m not half-the-man-Iii-used-to-beeeeeeeeeeeeeeeeee-there’s-a-shadow / hanging / over-me” , oder in “...now I longngng for yester-dayyyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy-yyesterday...”

Sinatra behielt das Stück ein gutes Jahr in seinem Programm, sang es u.a. im Caesars Palace in Las Vegas 1969 und auch im Mai 1970 bei seinen beiden Konzerten mit Count Basie in der Londoner Royal Festival Hall (7. und 8.5.), von denen Sinatra selbst später meinte, sie seien “the best live singing I ever did on a stage” gewesen (von denen es aber leider nur Publikumsmitschnitte gibt – Sinatra selbst ließ sich einen davon später von einem englischen Fan zuschicken und bedankte sich mit einem goldenen Feuerzeug).

Im Spätsommer 1979 war es dann einmal mehr Vincent Falcone jr., der als Live-Conductor für Sinatras Konzerte neben vielen anderen zuvor nur selten live gesungenen Liedern auch “Yesterday” wieder in Sinatras Konzertprogrammen plazierte. Während seiner Ostküstentournee im Oktober 1979 sang Sinatra das Lied dann unmittelbar vor “Something”, dem anderen von nur zwei Beatles-Songs, die FS in seinem Repertoire hatte – ein kleiner “Beatles-Block” sozusagen, der vom Publikum enthusiastisch gefeiert wurde und den es nur bei diesen wenigen Konzerten gegeben hat.

Während “Something” (das Sinatra im Dezember 1979 nochmals für Reprise einspielte) sich bis in die Neunziger Jahre hinein im Konzertprogramm hielt, verschwand “Yesterday” allerdings im November 1979 bereits wieder aus seinem Repertoire. Nur einmal noch hat Sinatra es geprobt, im März 1990 bei der Vorbereitung für ein Engagement im “Bally’s” in Las Vegas. Die Stimmung des Liedes fing er nach wie vor perfekt ein; mit den langgewölbten Tönen, die seine Version so unverwechselbar machen, hatte Sinatra da aber schon einige Probleme. Vielleicht auch deswegen verzichtete er letztlich darauf, das Stück bei den Ballys-Konzerten tatsächlich zu singen.

In “Yesterday” steckt vieles von dem, was heutigen Kompositionen so oft fehlt – und in Sinatras Fassung steckt vieles von dem, was heutigen Vokalisten mitunter abgeht: Simple words, simple feeling.

Yes, I believe in “Yesterday”...


© Bernhard Vogel für Sinatra – The Main Event, 2005

Übersetzung

GESTERN
Yesterday

Gestern
schienen all meine Probleme so weit entfernt,
nun sieht es so aus, als ob sie hierbleiben...
oh, ich glaube an gestern.

Plötzlich
bin ich nicht mal mehr die Hälfte von dem, der ich früher war,
ein Schatten hängt über mir...
oh, das Gestern kam plötzlich.

Warum sie fortgehen mußte,
weiß ich nicht,
sie würde es nicht sagen.

Ich sagte etwas falsches,
nun sehne ich mich
nach gestern.

Gestern
war die Liebe so ein leichtes Spiel,
nun brauche ich einen Platz, um mich zu verstecken...
oh, ich glaube an gestern.

Ja, ich glaube an gestern.

© Bernhard Vogel für Sinatra – The Main Event, 2005

Diskographie:

REPRISE-Studioaufnahme vom 20.2.1969
aufgenommen in Hollywood, Western Recorders Studio 1
Arrangement: Don Costa
Orchester geleitet von Don Costa:
John Cave, Vincent DeRosa, Richard Perissi (Horn); Gene Cipriano, Justin Gordon, Lloyd Hildebrand, Ronny Lang, Don Lodice, Bud Shank (Saxophon, Holzbläser); Israel Baker, Thelma Beach, Arnold Belnick, Lou Raderman, Sally Raderman, Nathan Ross, Mischa Russell, Ralph Schaeffer, Marshall Sosson, Gerald Vinci (Violine); Allan Harshman, Paul Robyn, Alvin Dinkin, Alex Neiman (Bratsche); Justin di Tullio, Armand Kaproff, Edgar Lustgarten, Jacqueline Lustgarten (Cello); Kathryn Julye (Harfe); Bill Miller, Lou Levy (Klavier, Celeste, Harpsichord); Al Viola (Gitarre); Chuck Berghofer (Baß); John Guerin (Schlagzeug); Emil Richards (Percussion)
Erstveröffentlichung/Album/LP/CD: My Way (Reprise) zuerst erschienen März 1969
Album/CD: Everything Happens To Me (Reprise) erschienen 6.2.1996
CD: The Complete Reprise Studio Recordings (20 CD Box, Reprise) CD 14
sowie auf weiteren Reprise-Samplern

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