The Hucklebuck

Titel

The Hucklebuck

Text & Musik

Andy Gibson & Roy Alfred

Infos

Der legendäre Charlie Parker, einer der herausragendsten Jazzinstrumentalisten des 20. Jahrhunderts, nahm 1945 für Savoy Records eine selbstgeschriebene Bluesnummer mit dem Titel „Now’s The Time“ auf. Das musikalische Hauptmotiv des simplen Stückes inspirierte dann drei Jahre später den Detroiter Bandleader und Saxophonisten Paul Williams (1915-2002) dazu, eine Adaption davon mit stark verändertem Tempo unter dem neuen Titel „The Huckle-Buck“ (zu deutsch etwa „Der Hüft[-Schwung]-Tanz) einzuspielen – und diese Aufnahme wurde in jeder Beziehung der absolute „Renner“ der späten Vierziger Jahre. Wie eine Rakete schoß die Platte an die Spitze der Instrumentalcharts, verdrängte sogar den jungen John Lee Hooker von dort, und geriet zu einer der bekanntesten Aufnahmen des frühen „Rhythm and Blues“.

„Ganz Amerika“, so notierte es Ende der 40er Jahre ein Kolumnist nüchtern für die „New York Times“, „tanzt diesen ‚Hucklebuck‘, und eigentlich weiß keiner so genau, warum“. Die Verkaufszahlen waren für damalige Verhältnisse astronomisch – innerhalb weniger Monate verkaufte sich „The Hucklebuck“ mehr als eine Million(!) Mal, und kein Tanzlokal besonders an der US-Ostküste, in dem nicht mehrmals pro Abend das Publikum den „neuen Tanz“ vollführte, den konservative Stimmen sogleich als „Ausgeburt der Unmoral“ geißelten.

Paul Williams wurde seither so stark mit der Scheibe identifiziert, daß er fortan bis an sein Lebensende nur noch „Paul Hucklebuck Williams“ genannt wurde. Anfang der Fünfziger Jahre benannte er sogar seine Band „The Hucklebuckers“, und als 1952 30.000 Tanzwütige ein für „nur“ 10.000 Eintrittskarten ausgelegtes Konzert in Cleveland besuchen wollten, kam es zu chaotischen Szenen, die sich mit den „Straßenkämpfen“ vor dem Paramount-Theater in New York City anläßlich von Sinatras Konzertserie dort im Herbst 1944 vergleichen lassen. Im Blätterwald rauschten sogar Schlagzeilen wie „sexueller Exzeß auf der Tanzfläche“...

Besonders nachdem Roy Alfred Ende 1948 auch einen Text dazu verfaßt (bzw. eine Art „gesungene Tanzanleitung“ dazu begeisteuert) hatte, wurde „The Hucklebuck“ rasch von mehreren Dutzend namhafter Instrumentalisten und Vokalisten gecovert, von Louis Armstrong über Pearl Bailey und Kate Smith bis hin zu Earl Hooker, von Tommy Dorsey zu Lionel Hampton... in späteren Jahren dann auch von Quincy Jones, Count Basie und vielen anderen. Über 3000(!!!) verschiedene Coverversionen sollen bis zum Jahr 2000 entstanden sein, weit über Jazz und R&B hinausgehend, bis hinein in den Bereich des irischen Punk der Neunziger Jahre...

Frank Sinatra fehlt nicht in der Reihe der vielen Coverversionen – im April 1949 spielte er den nationalen Megahit für Columbia Records ein (= Version #1), arrangiert von George Siravo. Von der damaligen Popularität des Stückes konnte auch Sinatras Columbia-Single profitieren und erreichte sogar Platz 10 in den Billboard-Charts, wurde dadurch eine der letzten wirklich (im kommerziellen Sinne) erfolgreichen Platten Sinatras bei Columbia vor der langen „Durststrecke“ der frühen Fünfziger Jahre, die erst 1953/54 bei Capitol Records zu Ende ging. Einige Male sang Sinatra das Lied 1949 auch nochmals im Radio, zum Beispiel im Herbst 1949 in„Light-Up Time“ (= Version #2).

Die Studioaufnahme war bis 1967 nur als Single , danach auch auf dem Columbia-3-LP-Set "The Essential Sinatra" verfügbar - erst im CD-Zeitalter kam sie zu größerer Verbreitung, außer auf der 12-CD-Box auch als Bonustrack auf "Swing And Dance With Frank Sinatra" und im Soundtrack der von Tina Sinatra produzierten CBS-TV-Miniserie über Frank Sinatras Leben 1992.

Bedenkt man, daß die musikalische Adaption von Andy Gibson stammte, der schon 1939 bei Harry James für Sinatra dessen erste Plattenaufnahmen arrangiert hatte, und liest man dann mit Staunen, welch große Namen (Ziggy Elman, Heinie Beau, Fred Stulce und andere) im Studio-Orchester und der Bläasersektion der Sinatra-Aufnahme vertreten sind, die von George Siravo arrangiert und von den „Kane Lane Singers“ begleitet wurde, so ist es im Nachhinein umso erstaunlicher, wie viel von dem ganzen „Hucklebuck-Hype“ in Sinatras Fassung zu spüren ist – nämlich so gut wie nichts! (Jedenfalls meiner Meinung nach). Nicht wenigen gilt sie heute als eine der schwächsten Aufnahmen Sinatras überhaupt...

Copyright © Bernhard Vogel, 2004, für Sinatra – The Main Event

Übersetzung

Hier ist ein Tanz, den Du kennen solltest:
Wenn die Lichter dunkel sind,
greif‘ Dir Deinen Schatz, und dann los!

Tanz‘ den „Hucklebuck“,
tanz‘ den „Hucklebuck“!
Wenn Du nicht weißt, wie das geht,
Junge, dann hast Du Pech gehabt!

Stoß‘ Deinen Partner nach außen,
dann mach einen Buckel mit Deinem Rücken,
dann fang an, Dein Schambein(!) etwas zu bewegen!

Schwänzel‘ wie eine Schlange!
Watschel‘ wie eine Ente!
So mußt Du es machen, wenn Du den „Hucklebuck“ tanzt!


Übersetzung: Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event

Diskographie:

(1) COLUMBIA-Studioaufnahme vom 10.4.1949
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: George Siravo
Orchester geleitet von Axel Stordahl:
George Seaberg, Leonard Mach, Zeke Zarchy, Ziggy Elman (Trompete); Si Zentner, Lou McGarity, Les Jenkins (Posaune); Fred Stulce, Heinie Beau, Herbie Haymer, Alex Gershunoff, Murray Cohan, Frank Chase (Saxophon, Holzbläser); May Hogan Cambern (Harfe); Mark McIntyre (Klavier); Allan Reuss (Gitarre); Phil Stephens (Baß); Ray Hagan (Schlagzeug); The Ken Lane Singers (Begleitchor).
Erstveröffentlichung: The Hucklebuck/It Happens Every Spring (Columbia 78rpm Single, 1949)
Album/LP: The Essential Frank Sinatra (3 LP Set, Columbia, 1967) LP 3
CD: The Columbia Years – The Complete Recordings (12 CD Box, Columbia/Legacy) CD 9
CD: Swing And Dance With Frank Sinatra (Columbia/Legacy)
und weitere CDs

(2) „Light-Up Time“ (NBC Radio/Lucky Strike Cigarettes) vom 20.10.1949
aufgenommen in Hollywood
Arrangement: George Siravo
Orchester geleitet von Jeff Alexander
CD: 60 Old Time Radio Shows (30 CD Set, Crappable Sounds) CD 24

Alle Artikel wurden - soweit nicht anders vermerkt - von Andreas Kroniger geschrieben. Eine weitere Veröffentlichung unserer Artikel, Aufstellungen & Übersetzungen auf anderen Webseiten und/ oder anderen Medien ohne Anfrage und/ oder Genehmigung ist nicht gestattet.

Eine Genehmigung zur Veröffentlichung unserer Artikel/ Beiträge kann gerne nach Anfrage (Kontakt) und/ oder durch den Autor selbst im Einzelfall erfolgen.