The Lady Is A Tramp (Parody)

The Lady Is A Tramp (Parody)

Das Portrait über „The Lady Is A Tramp“ und seine sinatrabezogene Geschichte wäre nicht vollständig, ohne einige Gelegenheiten und Aufnahmen zu erwähnen, bei denen Sinatra die Melodie von Richard Rodgers mit speziell geschriebenen neuen Texten dazu benutzte, Freunde und Weggefährten aus Showbusiness und Politik auf humorvoll-musikalische Weise hochleben zu lassen – wie stets bei solchen Anlässen konnte er sich dabei auf die kreative Feder seines „Haustexters“ Sammy Cahn (1913-1993) verlassen.

Doch auch rein musikalisch haben diese besonderen Aufnahmen ihren Reiz, denn anders als sonst sang Sinatra das Stück hier gelegentlich auch als Duett mit Klavier – und interessanterweise benutzte er für voll orchestrierte Versionen auch nach 1974, anders als in seinen Konzerten, noch das Nelson-Riddle-Arrangement von 1956. Zudem stammen gleich zwei Aufnahmen von 1972 und somit aus der Zeit, in der Sinatra eigentlich „im Ruhestand“ war...

(Hinweis: Um den Thread übersichtlich zu halten, sind diesmal Kommentar, Liedtext und diskographische Angabe zu jeweils einem Block zusammengefaßt und auf eine Übersetzung verzichtet, stattdessen wo nötig kleine Erläuterungen beigefügt).

Parodie I: DAVID „GENERAL“ SARNOFF (1967)

Der erste mit einer speziellen „Tramp“-Version Geehrte war David Sarnoff (1891-1971), der seit der Gründung 1919 als General Manager an der Spitze von RCA (Radio Corporation of America) stand. Sarnoff stammte aus einem kleinen Dorf in Weißrußland in der Nähe von Minsk und war zusammen mit seinen jüdischen Eltern 1900 in die USA gekommen. Bevor er RCA zum Mediengiganten aufbaute, hatte er unter anderem im Telegraphenamt gearbeitet. Schon Ende der Zwanziger Jahre erkannte Sarnoff das ungeheure Potential des Fernsehens und förderte die neue Technik nach Kräften, wurde so zum Pionier einer neuen Zeit, und seine beherrschende Art ebenso wie diverse militärische Auszeichnungen brachte ihm bald den Spitznamen „Der General“ ein. Erst 1970 zog er sich nach 51 Jahren vom RCA-Chefposten zurück – nach seinem Tod ging es mit der Firma rasch bergab, heute existiert sie nur noch als Markenname.

Am Unabhängigkeitstag 1967 feierte Sarnoff im New Yorker St.Regis-Hotel seine Goldene Hochzeit, und zu diesem Anlaß überraschte ihn Sinatra mit „The Gentleman Is A Champ“, einem auf Sarnoffs Werdegang gemünzten Text, den Sammy Cahn höchstpersönlich am Piano begleitete. Auch für Lacher war dabei gesorgt, etwa wenn Sinatra über ihn sang: „Soviel Männlichkeit habe ich selten gesehen, in meinen Alpträumen glaub ich, er hält sich für mich“. Auch die Tatsache, daß Sarnoff den Umtrieben des „Rat-Packs“ in Vegas eher kritisch gegenüberstand, verstand Sinatra in der Zeile „He frowns at The Clan“ zum Ausdruck zu bringen.

RCA Victor, das Label, bei dem FS während seiner Zeit bei Tommy Dorsey einst selbst unter Vertrag gestanden hatte, schnitt Sinatras Darbietung mit und ließ spezielle 45rpm-Singles davon herstellen, als Souvenir für die Festgäste, die heute natürlich zu begehrten Sammlerstücken geworden sind.

(1) RCA-Liveaufnahme vom 4.7.1967: The Gentleman Is A Champ (David Sarnoff)
aufgenommen in New York City, St.Regis Hotel
Duett mit Sammy Cahn, Klavier
Single: Sonderanfertigung (RCA Victor)

Text von Sammy Cahn:

There’s no one like him, but no one at all,
we’re mostly midgets, and he‘s 10 feet tall,
his kind of genius is like wall-to-wall,
that‘s why the gentleman is a champ.

His kind of vision was always so clear,
the kind of spirit that must persevere,
without his talents, I might not be here,
that‘s why the gentleman is a champ.

I know this praise must harass the man,
embarass the man,
a wiz
he is,
to radio what Edison* was to lamp,
that’s why the gentleman is a champ.
*Thomas Alva Edison (1847-1931), der Erfinder der Glühlampe

Telegraphy showed the „General“ the way,
took infant radio and taught it to pay,
and he began what is now RCA,
that’s why the gentleman is a champ.

When others give up, the „General“ drives,
give him a challenge, he literally thrives,
that coloured peacocks are now part of our lives,
that’s why the „General“ is a champ.

And he’s the most, the most impeccable man,
he frowns on the Clan,
just think
bowl drink,
he gets upset if it‘s nearly damp,
that‘s why the „General“ is a champ.

Has more successes than people get,
three strepping sons, and I’m sure you have met,
on top of which this man has this hat,
that‘s why the gentleman is a champ.

Don‘t know his age, but he acts 23,
you never saw so much virility,
I got a hunch that he thinks he’s me,
that’s why the gentleman is a champ.

And as for honours, he has one that scores
plus two World Wars,
since then
the „Gen‘“,
from Ike* to Lyndon** they whistle and stamp,
that’s why the gentleman is a champ.
* Dwight D. Eisenhower, Präsident der USA 1953-61
** Lyndon B. Johnson, Präsident der USA 1963-69

Parodien II-III: SPIRO „TED“ AGNEW (1972)

Bei den Präsidentschaftswahlen 1968 hatte Sinatra noch den demokratischen Kandidaten Hubert Humphrey unterstützt (den Nachfolger des ermordeten Robert Kennedy), der dann die Wahl knapp gegen Richard Nixon verlor – vier Jahre später aber engagierte er sich für den Wahlkampf der Republikaner. Allerdings unterstützte Sinatra nicht Nixon direkt (gegen den war ja außer 1968 schon 1960 mit seinem Engagement für John F. Kennedy quasi zu Felde gezogen war), sondern Nixons Vizepräsidenten Spiro T. Agnew (1918-1996), der eigentlich Spiro Theodoros Agnastopoulos hieß, dessen Vater aus Griechenland stammte und mit dem Sinatra sich auch privat angefreundet hatte; mehrfach waren beide zusammen auf dem Golfplatz gesichtet worden.

Wahlkampfauftritte Sinatras waren, ob auf nationaler oder bundesstaatlicher Ebene, seit vielen Jahren Tradition; am bekanntesten ist natürlich sein Song „High Hopes For Kennedy“ geworden, der die Präsidentschaftswahl 1960 begleitete. Agnew aber gelang es 1972, Sinatra trotz dessen offiziellen Rücktritts im Jahr zuvor für spezielle Darbietungen zu gewinnen. Sammy Cahn schrieb dafür gleich zwei verschiedene neue Texte von „The Gentleman Is A Champ“, von denen der erste (=#2) bereits während der Vorwahlen im Frühjahr bei einem Parteikonvent in Baltimore, wo Agnew 1966-68 als Gouverneur des US-Bundesstaats Maryland residiert hatte, zum Einsatz kam. Ende Oktober 1972 dann, als der Wahlkampf in die Endphase ging, präsentierte Sinatra in Chicago eine zweite Fassung (=#3). In beiden Fällen ließ er sich diesmal nur in den ersten beiden Strophen von Bill Miller am Klavier begleiten, danach übernahm ein komplettes Orchester, das Nelson Riddles Swingarrangement von 1956 folgte.

Die Anspielungen im Text waren natürlich auf Agnews Karriere gemünzt und auf dessen berühmt-berüchtigte „scharfe Zunge“, eine ausgefeilte Rhetorik, mit der er vor allem zu Frontalangriffen gegen die liberale Presse ansetzte (was FS, bekanntlich selbst kein Pressejünger, genüßlich mit „no other Vice-Prez, counting them all/has dared to call/the press/a mess!"“kommentiert) und Gegner des Vietnamkrieges attackierte: „Er benutzt Worte wie andere Leute Knüppel“, sang Sinatra. Im Wahlkampf 1972 hielt Agnew sich aber im Vergleich zu früheren Auftritten damit sehr stark zurück, was ebenfalls in den Liedzeilen angesprochen ist („he keeps his composure, whatever the cracks“).

Zwar gewannen Nixon und Agnew die Wahlen 1972 mit großem Vorsprung, doch noch bevor Nixon wegen des Watergate-Skandals sein Amt verlor, rollte schon im Oktober 1973 der Kopf seines Vizepräsidenten. Mit dem Vorwurf konfrontiert, zu Gouverneurszeiten in Maryland massiv Steuern hinterzogen zu haben, trat Agnew als Vizepräsident zurück, zog sich aber anschließend auf das amerikanische Rechtsinstitut des „nolo contendere“ („kein Widerspruch“) zurück, das einem Angeklagten ermöglicht, unter Inkaufnahme einer – in diesem Falle dann auch erfolgten – Verurteilung die Vorwürfe weder zuzugeben noch zurückzuweisen. Sein Verhältnis zu Sinatra kühlte dann ein wenig ab; von allen politischen Ämtern ausgeschlossen arbeitete Agnew bis zu seinem Tod in der Privatwirtschaft.

(2) TV-Liveaufnahme vom 19.5.1972: „The Gentleman Is A Champ“ für Spiro Agnew (1.Version)
aufgenommen in Baltimore/MD, Lyric Theatre
Arrangement: Nelson Riddle
Pianosoli: Bill Miller
Orchester geleitet von N.N.

Text von Sammy Cahn:

There’s no one like him, but no one at all,
lots of Vice-Pres’ez, but none quite so tall,
so he’s inept when he hits the golf ball,
that’s why the gentleman is a champ.

Semantically, he’s sort of a wiz,
shyness of speech show he‘s no quirk of his,
he likes to tell it the way that it is,
that‘s why the gentleman is a champ.

No other Vice Prez, counting them all,
has dared to call
the press
a mess,
the entire media, it hides from his lamp,
because the gentleman is a champ.

He once was Governor of this sorrel state,
backed Rockefeller* for Prez in the ’68,
but somehow or other, Nelson couldn‘t keep the date,
what still – the gentleman is a champ.
* Nelson Rockefeller (1908-1979), seit 1959 Gouverneur von New York City, verlor 1968 bei den Vorwahlen die republikanische Präsidentschaftskandidatur an Nixon. 1974-77 war er unter Gerald Ford Vizepräsident der USA.

I guess that Nelson figured his chances were slim,
and left our hero out on a limb,
so Ted picked Nixon, and Nixon picked him,
which proves the gentleman is a champ.

I’m sure that I, I have not to explain
that grooving campaign,
we’ll top,
we’re up,
both sure have to give the other fellas a cramp,
which proves the gentleman is a champ.

People have said he might have begun like a joke,
and he was exposed to some terrible hoce,
but now they listen each time that he speaks,
and now the gentleman is a champ.

His ways with phrases are most a-propos,
alliteration* is his private show,
comes up with words, even kisses your doesn’t-know,
that’s why the gentleman is a champ.
berühmt wurde etwa Agnews Ausspruch, Journalisten seien „nattering nabobs of negativism“, im deutschen kopiert etwa „murmelnde Mogule der Miesmacherei“

When he used the phrase like „effete snobs“*,
it started the slobs,
they yell,
they rebell,
but he sure gave them the appropiate stamp,
that‘s why the gentleman is a champ.
*Agnew hatte die Presse „an effete corps of impudent snobs“ genannt, eine „erschöpfte Ansammlung unverschämter Snobs“

Hey, the media burns at is scuffs and his snubs,
he uses words like the others use clubs,
that’s why he’s loved by all of the Repub’s,
they know this gentleman is a champ.

The G.O.P.* knows the job that he’s done,
to all the Demos who think makin‘ run,
he knocked out Muskie**,
and that’s only one,
that‘s why the gentleman is a champ.
* Grand Old Party, also die Republikaner
** Senator Edmund Muskie (1914-1996), 1972 als Vizepräsidentschaftskandidat bei den Vorwahlen von Agnew aus dem Feld geschlagen.

And as for me, this, this isn’t pretend,
I’m proud he’s my friend,
this Greek
unique,
he makes this Italian want to whistle and stamp,
because the gentleman,
that’s why the gentleman,
this amazing gentleman is a champ!

(3) TV-Liveaufnahme vom 30.10.1972: „The Gentleman Is A Champ“ für Spiro Agnew (2.Version)
aufgenommen in Chicago
Arrangement: Nelson Riddle
Klaviersoli: Bill Miller
Orchester geleitet von N.N.

Text von Sammy Cahn:

Oh, I’m sure you’re wondering what I’m doing here,
after I promised that I’d disappear*,
but there’s a man here, that I’ve come to cheer,
because that gentleman is a champ.
* Sinatras letzte Liedzeile beim Abschiedskonzert 1971 war gewesen: „Excuse me while I disappear“, aus „Angel Eyes“.

I don’t make friends, not as easily as most,
but when I make one, I’m happy to boast,
for Mr Agnew I go coast to coast,
because the gentleman is a champ.

And when I’m asked what real friendship means,
it’s him on the greens!
His swings:
Like Bing’s*!
He hits a golfball like he has a cramp,
still the gentleman is a tramp(!).
* Bing Crosby, der ebenfalls ein ebenso passionierter wie mittelmäßiger Golfspieler war.

I’ve come to know him most intimately,
and he’s become like part of my family,
and what I’m proud of is that he likes me,
I mean the gentleman is a champ.

He comes to Palm Springs a lot, as you know,
just to escape once in a while the political show,
he likes my hotel, because we charge no doe,
and still, the gentleman is a champ.

There’s just one way to know a man at his best,
when he’s a guest,
he’s neat,
effete,
he hardly leaves even a towel damp.
which proves the gentleman is a champ.

But lateley now, if you’ve heard all he’s said,
I guess that you’ve noticed that there is a new Ted,
what good’s debating, when you’re miles ahead,
which proves the gentleman is a champ.

He’s learned to lean back and learned to relax,
he keeps his composure, whatever the cracks,
but when they hit low, is when he attacks,
that‘s why the gentleman is a champ.

They say he’s changed, but that statement’s not true,
he’s the Agnew
I knew,
his aim
to bring success to the G.O.P. camp,
that makes the gentleman a champ!

In most campaigns it’s like, like dogs and cats,
they go at each other with this’s, and with that’s,
and now we’ve even got the Democrats,
because these gentlemen, each is a champ.

There’s really so much to point to with pride,
some real big Demo‘s have joined up for the ride,
we’ve even got a Roosevelt on our side,
because each gentleman is a champ.

But we have got, got to work hard and press
to ensure success,
lean in
to win,
from door to door we’ve all got to tramp,
because each gentleman,
because each gentleman,
because the gentleman is a champ!

Parodie IV: MAUREEN STARR (1973)

Parodie IV: MAUREEN STARR (1973)

Richard Starkey, weltbekannt als Schlagzeuger der Beatles unter dem Namen Ringo Starr (*1940), heiratete 1965 die neunzehnjährige Maureen Cox (1946-1994); die Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, hielt bis 1975. Wie auch zu den drei anderen „Pilzköpfen“, deren zwei Welthits „Yesterday“ und „Something“ er für Reprise auch selbst eingespielt hatte, während einst seine Capitol-Aufnahme von „September In The Rain“ (1960) die frühen Beatles zu einer eigenen Cover-Version (1962 bei Decca) inspiriert hatte, so unterhielt Sinatra auch zu Ringo freundschaftliche private Kontakte.

Im Mai 1973, noch vor seinen ersten Studio-Sessions für das Comeback-Album, ging Sinatra ins Studio, um eine besondere Überraschung für Maureen Starr zu produzieren, die er bis dahin nicht persönlich kannte: „The Lady Is A Tramp“ mit einem neuen Text von Sammy Cahn, begleitet von Bill Miller am Klavier. An ihrem Geburtstag am 4. August wurde ihr das Stück überreicht, das Sinatra auf eigene Kosten als Single produzieren ließ.

Cahns Feder glänzt mit ironischen Anspielungen („she married Ringo while she could have had Paul“, „she sleeps with Ringo but the thinks of me“) und legt Sinatra gar die lakonische Halbzeile „I’m just FS“ in den Mund – ein echtes Schmankerl ebenso wie ein schönes Stück Musikgeschichte.

(4) Private Studioaufnahme vom Mai 1973: „The Lady Is A Tramp“ für Maureen Starr
aufgenommen in Hollywood
Duett mit Bill Miller, Klavier
Privatpressung

Text von Sammy Cahn:

There’s no one like her, but no one at all,
and as for charms, hers is like wall-to-wall,
she married Ringo, and she could have had Paul...
that’s why the lady is a champ.

Creates excitement whenever it’s dull,
she just appeares, and there goes the lull,
she merely smiles, and you’re out of your skull...
that’s why the lady is a champ.

The folks who do and don’t meditate
agree she’s great:
They mean: Maureen!
I got more lyrics right after this vamp,
because the lady is a champ!

Though we’ve not met, I’m convinved she’s a gem,
I’m just FS, but to me, she’s Begum*,
mainly because she prefers me to them...
that’s why the lady is a champ.
*Titel indischer Prinzessinnen (z.B. der Gemahlinnen des Aga Khan)

I’ve lots of fans – well at least one or two,
but Peter Brown* called me to tell me: „It’s true:
She sleeps with Ringo, but she thinks of you!“
That’s why the lady is a champ.
* letzter Manager der Beatles

But I can boast, boast as much, as much as I please –
the fact is that she’s
his wife, but that’s life!
But it’s her day, so I whistle and stamp
because the lady,
the charming lady,
Mr Ringo’s lady is a champ!

Parodie V: ORSON WELLES (1975)

Für kaum einen seiner Schauspielerkollegen hegte Sinatra so große aufrichtige Bewunderung wie für den gleichaltrigen Orson Welles (1915-1985), dessen genialer Streifen „Citizen Kane“ das Multitalent 1941 schlagartig weltberühmt gemacht hatte. Und so war es für Sinatra selbstverständlich, an der großen Gala mitzuwirken, die das American Film Institute im Februar 1975 veranstaltete, als man Welles mit einem Lifetime Achievement Award ehrte.

Wieder stand Sammy Cahn bereit, um Sinatra einen passenden Text zu „The Gentleman Is A Champ“ in den Mund zu legen, vielleicht einer seiner witzigsten ist dabei herausgekommen. Natürlich werden Meilensteine in Welles‘ Karriere erwähnt, vom legendären Panik verbreitenden Hörspiel „War Of The Worlds“ (1938) über „Citizen Kane“ zum „Dritten Mann“. Aber auch Welles‘ vielseitige Begabung wird in Verse gegossen: „Produce, direct, write, and star in a play / like [Lawrence] Olivier / a wiz / he is“. Seine Vorliebe für Shakespeare kommt ebenfalls zur Sprache (Welles hatte u.a. Macbeth und Othello aufwendig verfilmt). Und schließlich erfreut uns Sinatra sogar mit einer seiner seltenen Stimmenimitationen – alles begleitet von der ersten Zeile an von einer entspannt swingenden Bigband.

(5) „A Salute To Orson Welles“ (CBS TV) vom 17.2.1975: „The Gentleman Is A Champ“
aufgezeichnet am 9.2.1975 in Los Angeles, CBS Studios
Arrangement: Nelson Riddle
Orchester geleitet von N.N.
Ausstrahlung im amerikanischen Fernsehen

Text von Sammy Cahn:

Theres no one like him, like no one at all,
there have been legends, but none quite as tall,
what if his girth is just wall-to-wall –
you know the gentleman is a champ.

Came out of nowhere, well, so to speak,
and showed it once, that special technique,
he’s what you mean when you speak of unique,
that‘s why gentleman is a champ.

He has a voice that’s close to divine,
almost like mine ,
mine swings,
he sings,
compared to him I sound like a tramp,
because the gentleman is a champ.

In ’38, with the radio play
„War Of The Worlds“, filled us with much dismay,
I mean: He scared the shshshadows away,
still the gentleman is a champ.

The Berkeley players, they were more than just good,
he helped young actors every way that he could,
he picked cotton (Stimmenimitation)when-nobody-would,
which proves the Citizen is the champ.

Need I explain that Kane didn’t thrill
a fellow called Bill*,
said Hurst:
„It’s the worst!“ im Jersey-Slang gesungen: woyst[i]
He called our hero an ambulant scamp,
still this cat is a champ!
[i]* William Randolph Hurst, der berüchtigte Medienmogul, auf den „Citizen Kane“ abzielte

The „Third Man“ film I’m sure you will recall,
his „Harry Lime“ was played to enthrall,
no „Kissing Bandit“ (ha-ha) at all,
that’s why the gentleman is a champ.

A Shakespeare buff who does know his bard,
just ... and he leans in their heart,
making forget, say, Ceeroy Richard(?),
that’s why the gentleman is the champ.

Produce, direct, write, and star in a play
like Olivier*,
a wiz
he is,
I for one must whistle and stamp,
because the gentleman is a champ.
* Lawrence Olivier (1907-1989)

I’ve trust you guessed it’s all been in jest,
we’re toasting the best:
A glass
to class!
Please stand and join me,
you know the gentleman,
I mean the gentleman,
I say: The gentleman is a champ!

Parodie VI: LEW WASSERMAN (1986)

Am zeitlichen Schluß des parodistischen Reigens steht wiederum eine schon zu Lebzeiten legendäre Figur aus dem Mediengeschäft, nämlich Lew Wasserman (1913-2002), von 1936 bis 1998(!) sechs Jahrzehnte lang der prägende Kopf von MCA (Music Corporation of America) und daneben über Universal Pictures auch einer der großen Filmmagnaten Hollywoods. Ähnlich wie „General“ Sarnoff war auch Wasserman russisch-jüdischer Abstammung und hatte seine Produzentenkarriere mit kleineren Theaterprojekten in Cleveland begonnen, bevor er bei MCA zum „Macher“ aufstieg.

1986 feierte Wasserman sein Goldenes Dienstjubiläum bei MCA, und aus diesem Anlaß war Sinatra extra ins Studio gegangen, um zusammen mit Bill Miller am Klavier eine wiederum von Sammy Cahn getextete Version seines „Gentleman Is A Champ“ einzuspielen. Die Aufnahme ließ Sinatra in einer Auflage von 800 Stück auf einer speziellen vergoldeten Plastik-Single pressen, die bei der großen Gala in den Universal Studios in Los Angeles in einem farbigen Plastikschuber als Souvenir an die geladenen Gäste verteilt wurde – ähnlich wie die Sarnoff-Single von 1967 heute ein begehrtes Sammlerstück. Am 12.12.1986, Sinatras 71. Geburtstag, wurde die Gala dann auch im Fernsehen ausgestrahlt.

Cahn hatte natürlich inzwischen schon Routine beim Anpassen des Textes an neue Lebensläufe, doch gelang ihm diesmal ein ganz besonders schöner Einzeiler: Wassermans frühes Vorbild und einziger Vorgesetzter war der MCA-Gründer Dr. Jules Stein (1896-1981), nicht zu verwechseln mit dem Komponisten und jahrzehntelangen Sinatra-Weggefährten Jule Styne (1905-1994). Daraus machte Cahn für Sinatra: „My Styne was Jule [gesprochen: Juleee]/his Stein was Jules“ .

(6) Private Studioaufnahme vom 3.7.1986: „The Gentleman Is A Champ“ für Lew Wasserman
aufgenommen in Los Angeles, Universal Studios
Duett mit Bill Miller, Klavier
Single: spezielle 45rpm-Pressung

Text von Sammy Cahn:

I’d say this evening is richly endowed,
I’ve never looked at a snazzier crowd,
tonight, no blue-jeans or sneakers allowed,
because that gentleman is a champ.

There just is no one who’s like him at all,
the man’s achievements are like 10 feet tall,
why are we here to cheer wall-to-wall?
Because the gentleman, he’s a champ.

Once back in Cleveland where he began,
small theatre man,
now he
is me:
You mention Lew – everyone’s eyes get damp,
because the gentleman is a champ.

His fame has spread, he’s known near and far,
the kind of agent you treat like a star,
a guy who could even handle Lazar*,
because the gentleman is a champ.
*Irving Paul „Swifty“ Lazar (1907-1993), einer der mächtigsten, aber auch verschrobensten Künstleragenten in Hollywood

The biggest names are quickly impressed,
once Alfred Hitchcock called Lew the very best,
and Jimmy Stewart said: „N-n-n-no-no-contt-test!“,
because the gentleman is a champ.

Each time I take that studio tour,
I make damn sure
I view
just Lew,
what I’m inferring: That’s he’s no tramp,
I mean the gentleman is a champ!

He handled bands, then actors with ease,
Jack Benny radio before TV’s,
he even danced to Lombardo’s* melodies,
because the gentleman is a champ.
*Carmen Lombardo (1907-1973), Liedschreiber und Komponist, Bruder des Bandleaders Guy Lombardo.

His god was Stein* who made all the rules,
if you crossed Stein, Lew challenged with dues,
my Styne was Julie, his Stein was Jules,
still the gentleman is a champ.
*Jules Stein (1896-1981), Gründer von MCA
**Jule Styne (1905-1994), Komponist („Guess I’ll Hang My Tears Out To Dry“)

He is the most amazing of gents,
befriends presidents,
a wiz
he is,
so for Mr Wasserman we all whistle and stamp,
because the gentleman,
this very nice the gentleman is a champ.

(c) Bernhard Vogel für Sinatra - The Main Event, 2005

Alle Artikel wurden - soweit nicht anders vermerkt - von Andreas Kroniger geschrieben. Eine weitere Veröffentlichung unserer Artikel, Aufstellungen & Übersetzungen auf anderen Webseiten und/ oder anderen Medien ohne Anfrage und/ oder Genehmigung ist nicht gestattet.

Eine Genehmigung zur Veröffentlichung unserer Artikel/ Beiträge kann gerne nach Anfrage (Kontakt) und/ oder durch den Autor selbst im Einzelfall erfolgen.