Mama Will Bark

Titel

Mama Will Bark

Text & Musik

Musik und Text von Dick Manning (aka Samuel Medoff)

Infos

Daß jede Karriere ihre Höhen und Tiefen hat, mag eine Binsenweisheit sein, ebenso, daß Frank Sinatra ein Mann der Extreme war – wenn schon schlecht, dann aber richtig schlecht! Das mag sich Sinatra ja vielleicht gedacht haben, als er 1951 für Columbia (und zwar freiwillig, nicht, wie manchmal zu lesen ist, gezwungenermaßen) einen Song aufnahm, dessen unterirdische Qualität ihn zum Symbol von Sinatras Karriereknick jener Zeit werden ließ: „Mama Will Bark“.

Dick Manning (1912-1991), ein in Rußland geborener Komponist und Bandleader, der vor seiner Namensänderung 1948 als „Samuel Medoff & His Yiddish Swing Orchestra“ anderthalb Jahrzehnte lang Erfolge feierte (und im übrigen sehr hörenswert ist), gehörte zu den kommerziell erfolgreichsten „Hitlieferanten“ der späten 40er und 50er Jahre; seine Songs wurden in 27 Sprachen übersetzt, und Louis Armstrong und Perry Como hatten Erfolge mit seinen Songs. Speziell für Sinatra komponierte er beispielsweise 1957 „You’re Cheatin‘ Yourself“ (Capitol) – und sechs Jahre zuvor speziell für ‚The Voice‘ „Mama Will Bark“.

Bei Columbia gab damals Produzent Mitch Miller (*1911) den Ton an, und seine strikt am Kommerz ausgerichteten Maximen sind legendär. Viele Stars des Labels, neben Sinatra beispielsweise auch Rosemary Clooney, Tony Bennett und andere, nahmen unter seiner Ägide „Popsongs“ auf, deren musikalische Qualität oft nicht vorhanden war, die aber zumeist genau den Zeitgeschmack trafen und sich blendend verkauften, man denke nur an Clooneys ersten Millionenhit „Come-On-A-My-House“. Sinatra stritt sich zwar des öfteren mit Miller über die ihm vorgeschlagenen Songs und lehnte manchmal auch einiges ab, nicht aber „Mama Will Bark“, das als Duett mit der „Blondinenbombe des Jahres 1951“ namens Dagmar entstand.

Dagmar hieß eigentlich Virginia Ruth Egnor (1921-2001) und hatte seit den 40er Jahren als Modell für Modezeitschriften und Bekleidungsfirmen gearbeitet, bevor sie quasi über Nacht durch einen Fernsehauftritt im „Broadway Open House“, der von Jerry Lester geleiteten Talkshow, dem Vorläufer der legendären „Tonight Show“, zur nationalen Berühmtheit wurde. Ihr Image als „dralles blondes Dummchen“ konsequent ausnutzend wurde Dagmar für einige Jahre zum Star, bekam ihre eigene TV-Show („Dagmar’s Canteen“) und trat in allen bekannten Shows der USA auf, allein vier Mal (!) 1951 in der „Frank Sinatra Show“. Eine Photoserie mit dem bekannten Photographen Alfred Eiszenstadt brachte sie sogar auf das Cover des ehrwürdigen LIFE-Magazins. Später arbeitete sie mit mäßigem Erfolg als Nachtklubsängerin.

Doch es sind nicht Dagmars (vorsichtig formuliert) mäßigen Sangeskünste, die „Mama Will Bark“ das Etikett eintrugen, Sinatras schlechteste Platte aller Zeiten zu sein, sondern das verdankt die Aufnahme Millers Idee, den Song mit Hundegebell(!) zu unterlegen, wofür extra ein „Hundeimitator“ namens Donald Bain verpflichtet wurde, der den Text mit seinem gekonnten Gejaule garnierte. Dazu schrieb Axel Stordahl ein Arrangement, und der Chart wurde mit einem zehnköpfigen Orchester im Mai eingespielt.

Das Ergebnis erschien auf einer Columbia-Single im Sommer 1951, und zwar als Rückseite von „I’m A Fool To Want You“, einer von Sinatras schönsten Aufnahmen der späten Columbia-Zeit, die ihrerseits durch die Bezüge zu Ava Gardner Berühmtheit erlangte und sich dementsprechend gut verkaufte. Vielleicht gibt es keine andere Sinatra-Single, auf der die Unterschiede zwischen Seite A und Seite B größer sind...
Also dann, viel (wag ich’s zu sagen?) Vergnügen mit diesem „Lied“, das Sinatra-Unkundigen vorzuspielen immer viele Lacher garantiert... und danach am besten mal kurz mit dem Hund rausgehen!

Oooooooooooouuuuuuuuuuuwwwwwwlllllllllllll !

Infos: Bernhard Vogel

Diskographie:

COLUMBIA-STUDIOAUFNAHME vom 10.5.1951
aufgenommen in New York City, Columbia Studios
Arrangement: Axel Stordahl
Duett mit Dagmar; Hunde-Imitationen: Donald Bain
Orchester geleitet von Axel Stordahl
Erstveröffentlichung 1951: Columbia Single (Columbia 39425)
CD: Complete Columbia Studio Recordings (12 CD Box) CD 12

Übersetzung

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